Uli Hoeneß reflektiert über seine Zeit im Gefängnis
Uli Hoeneß gehört seit Jahrzehnten zu den prägendsten Persönlichkeiten des FC Bayern München. Nun gewährt der Ehrenpräsident einen seltenen Einblick in seine Zeit hinter Gittern.
München – Uli Hoeneß, 74 Jahre alt, ist eine der schillerndsten Figuren im deutschen Fußball. Er hat den FC Bayern über viele Jahre hinweg als Manager, Präsident und Ehrenpräsident maßgeblich geprägt. Neben seinen sportlichen Erfolgen und wirtschaftlichen Triumphen gibt es jedoch auch ein dunkles Kapitel in seiner Biografie: Im Jahr 2014 wurde Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Nun spricht er so offen darüber wie selten zuvor.
In der Bild-Serie „Hoeneß packt aus“ blickt der Bayern-Patron genau zehn Jahre nach seiner Entlassung auf seine Zeit im Gefängnis zurück. Am 29. Februar 2016 verließ er die Justizvollzugsanstalt Landsberg, und zwar bereits kurz nach Mitternacht, deutlich früher als von der Öffentlichkeit erwartet. Seine Frau und sein Sohn holten ihn ab, und zu Hause in Bad Wiessee am Tegernsee warteten bereits Freunde und sogar eine Blaskapelle auf ihn.
Hoeneß beschreibt die Haftzeit als prägend für sein weiteres Leben. In einem Interview erklärt er: „Ich kann nicht sagen, dass ich die Zeit nicht missen möchte, aber sie war ein wichtiger Teil meines Lebens.“ Er habe sich nicht speziell auf das Gefängnis vorbereitet, aber immer versucht, „mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen“ – auch dort. Diese Erfahrung habe ihm viele Dinge im Leben danach anders sehen lassen.
Vor allem zwei Werte habe er aus der Haft mitgenommen, betont der Ehrenpräsident des FC Bayern: „Demut und soziale Verantwortung.“ Beides sei ihm zuvor schon wichtig gewesen, durch die Erlebnisse hinter Gittern sei das jedoch noch einmal verstärkt worden. Hoeneß berichtet, dass er sich stets für seine Mithäftlinge eingesetzt habe. Die Leiterin der JVA habe ihm bei seiner Entlassung gesagt, er sei der Einzige gewesen, der einen Fanclub „sowohl bei den Mit-Häftlingen als auch bei den Mitarbeitern der JVA gehabt habe.“
Gleichzeitig schildert Hoeneß auch die Schattenseiten des Gefängnisalltags mit teils verstörenden Details. Den Kontakt zu ehemaligen Mithäftlingen pflege er heute nicht mehr, da ihm davon abgeraten worden sei. „Wenn man morgens aufwacht und ein Mörder sitzt vor deinem Bett und erzählt dir seine Lebensgeschichte, weiß man nicht, ob man das unbedingt erleben möchte“, sagt er. Diese Sätze verdeutlichen, wie weit diese Welt von seinem Alltag als Fußball-Manager entfernt war.
Hoeneß verglich den Haftantritt auch mit seinem Start als Manager beim FC Bayern. Sowohl damals als auch in der JVA habe er keine Ausbildung für die Aufgabe gehabt und sich alles Stück für Stück erarbeitet – „Learning by doing“, wie er es nennt. Hoeneß hat zudem bereits angedeutet, dass er Thomas Müller gerne für das Management beim FC Bayern ausbilden würde.