Vorfreude auf die WM in Deutschland bleibt gering
Die Weltmeisterschaft rückt näher, doch die Vorfreude der Deutschen scheint nicht zu wachsen. Eine aktuelle Umfrage sorgt für Besorgnis.
Frankfurt – Heute beginnt offiziell die Vorbereitung des DFB für die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Trainer Julian Nagelsmann empfängt seine Spieler im Teamquartier in Herzogenaurach. Wie schon Herbert Grönemeyer in seinem Erfolgshit fordert, geht es nun darum, eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen – sowohl bei den Spielern als auch bei den Fans im gesamten deutschen Fußball.
Eine neue Studie zeigt jedoch, dass es daran erheblich mangelt. Laut dem Marktforschungsinstitut YouGov freuen sich nur 38 Prozent der Deutschen auf das Turnier. 36 Prozent der Befragten gaben sogar an, überhaupt keine Vorfreude zu verspüren. Dies wirft zwei Fragen auf: Was sind die Ursachen dafür? Und wie kann der DFB unter Trainer Nagelsmann dies ändern?
Die erste Frage lässt sich schnell beantworten: Schwache Leistungen in der WM-Qualifikation und enttäuschende Ergebnisse bei den letzten Weltmeisterschaften haben die Euphorie vieler Anhänger gedämpft. Zur Erinnerung: In den vergangenen Turnieren schied die deutsche Nationalmannschaft jeweils nach der Vorrunde aus! Zudem sind die USA nach den letzten Turnieren in Russland und Katar als Gastgeberland nicht besonders beliebt, und viele Zuschauer kommen erst mit Beginn des Turniers richtig in Stimmung.
Die zweite Frage verdient einen genaueren Blick auf den Song „Zeit, dass sich was dreht“. Dieser Grönemeyer-Hit wurde zur WM 2006 veröffentlicht und zur EM 2024 zusammen mit dem Rapper Soho Bani neu aufgelegt – beide Versionen sorgten bei den Heimturnieren für einen echten Stimmungsschub. Sowohl 2006 als auch 2024 war die Vorfreude im Land zunächst gedämpft, da der deutsche Fußball in den Jahren zuvor jeweils eine schwierige Phase durchlief (Gruppenaus bei der EM 2004 und WM 2022).
Der DFB kann natürlich keinen Erfolgshit aufnehmen, um die Stimmung zu heben, aber er kann auf dem Platz die gleichen Prinzipien verfolgen: 2006 und 2024 überraschte die Nationalelf mit offensivem Fußball, getragen von jungen und hungrigen Spielern. Nagelsmann setzt vor allem auf Florian Wirtz und Jamal Musiala als Hoffnungsträger, die zusammen mit Nick Woltemade und Kai Havertz offensiv für Furore sorgen sollen. Unbekümmerte Einwechselspieler wie der 18-jährige Lennart Karl vom FC Bayern passen ebenfalls perfekt ins Bild.
Allerdings muss Nagelsmann derzeit auf Havertz verzichten, da der Stürmer mit dem FC Arsenal am Samstagabend (18 Uhr, ZDF) im Champions-League-Finale steht. Für den Rest der Mannschaft gilt jedoch laut dem Bundestrainer: „Die sind alle heiß und haben Bock.“ Zudem sind auch die elf Spieler des FC Bayern und des VfB Stuttgart an Bord, weshalb Nagelsmann den Trainingsstart von Montag auf Mittwoch verschoben hatte.
Der Bundestrainer hat nun vier Tage Zeit, seine Mannschaft auf das Testspiel am Sonntag in Mainz gegen Finnland (20.45 Uhr, ZDF) vorzubereiten. Denn auch Julian Nagelsmann weiß: Die größte WM-Euphorie entsteht durch sportlichen Erfolg.