Vorfreude und Skepsis vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2026

Vorfreude und Skepsis vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2026

Die Fußball-Weltmeisterschaft steht kurz bevor, doch zahlreiche Fragen werfen ihren Schatten auf das bevorstehende Event.

New York – Wie wird die WM, die am Donnerstag beginnt, in Deutschland aufgenommen? Bundestrainer Julian Nagelsmann hat darauf hingewiesen: „Das hängt davon ab, wie wir abschneiden.“ Diese Einschätzung ist nicht unbegründet. Die Erfahrungen zeigen, dass die Begeisterung für die deutsche Mannschaft stark vom sportlichen Erfolg abhängt. In der Vergangenheit, etwa 2002 oder 2010 nach dem Ausfall von Michael Ballack, waren die Erwartungen zwar gedämpft, aber die Deutschen ließen sich dennoch mitreißen.

In diesen Jahren entstanden neue Erzählungen: von Rudi Völler als Volksheld bis hin zu einer multikulturellen Mannschaft, die eine neue Generation repräsentiert. Deutschland verfolgte die Spiele gebannt und die Sommer fühlten sich großartig an. Diese Erinnerungen wecken auch heute noch eine Sehnsucht. In einem Turnier können sich Dynamiken entwickeln, und wir müssen abwarten, wie sich alles entfaltet.

Jedoch wird der Blick auf Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft nicht nur durch die sportliche Perspektive der eigenen Mannschaft geprägt. Viele Fans interessieren sich auch für andere Aspekte, wie die Frage, ob das Turnier in einem Land stattfindet, das den Sport respektiert und verdient.

Das Misstrauen ist gestiegen: Russland konnte 2018 seine geopolitischen Ambitionen nicht verbergen, und Katar 2022 sorgte nicht nur wegen logistischer Herausforderungen für Aufregung, sondern auch aufgrund der fragwürdigen Behandlung von Arbeitskräften. Die letzten beiden Turniere hatten bereits einen schlechten Ruf, der in Deutschland durch sportliche Misserfolge verstärkt wurde.

Vielleicht aufgrund dieser Vorgeschichte und zahlreicher neuer Herausforderungen sind die Erwartungen an die WM 2026, die hauptsächlich in den USA stattfindet, gering. Selten wurde einer Weltmeisterschaft so wenig Vorfreude entgegengebracht. Früher nahmen viele Menschen ihren Jahresurlaub, um sich voll und ganz dem Fußball zu widmen.

Fragt man sich heute, ob das noch jemand tut? Geht es noch um den Fußball? Angesichts der gestiegenen Anzahl an Spielen von 64 auf 104 stellt sich die Frage, ob das Turnier überhaupt noch genießbar ist oder ob es schnell in einer grauen Masse untergeht. Werden die Stadien in den USA, Kanada und Mexiko die erwartete Stimmung erzeugen, wenn die Ränge nicht so voll sind, wie es die FIFA in ihren Ticketverkaufsberichten suggeriert?

Die meisten WM-Zuschauer werden nicht vor Ort sein, sondern in ihren Heimatregionen bleiben, können sich jedoch ebenfalls nicht von den Berichten über absurde Ticketpreise, Transportkosten und Hotelpreise freimachen – Fußball wird zunehmend zum Luxusgut. Zudem gibt es Einreiseprobleme für Akteure aus Ländern, die von den USA als unangenehm empfunden werden. Politische Verquickungen zwischen Donald Trump und Gianni Infantino zeigen, dass der Fußball sich in einer neuen, fragwürdigen Beziehung zur Politik befindet.

Russland und Katar hielten sich noch an den Grundsatz, dass Fußball für alle zugänglich sein muss. Bei der WM 2026 könnte dies jedoch anders sein. Erstmals muss der Fußball gegen die, die ihn schützen sollten, antreten. Dies könnte zu einem geschäftlichen Flop führen.

Was die deutsche Mannschaft betrifft: Wer den Spielplan betrachtet, könnte auf ein mögliches Achtelfinalspiel gegen Frankreich stoßen. Realistische Fans wären über ein Ausscheiden unter diesen Umständen nicht verärgert – aber die Frage bleibt, ob das Turnier dann noch von Interesse wäre.

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