Bayer Leverkusen trennt sich von Erik ten Hag nach historisch kurzer Amtszeit
Bayer Leverkusen hat sich von Trainer Erik ten Hag getrennt, was die schnellste Entlassung in der Geschichte der Bundesliga zur Folge hat. Ten Hags Amtszeit dauerte lediglich 63 Tage und umfasste drei Pflichtspiele.
Diese rasante Abkehr von ten Hag übertrifft die bisherigen Rekorde, die von Helmut Senekowitsch (Eintracht Frankfurt) und Heinz Elzner (1. FC Nürnberg) gehalten wurden, die jeweils nach fünf Ligaspielen entlassen wurden. Die Gründe für ten Hags Misserfolg sind vielfältig.
Xabi Alonso hinterließ bei Leverkusen nicht nur eine erfolgreiche Bilanz, sondern auch hohe Erwartungen, die durch den ungeschlagenen Meistertitel und den DFB-Pokal-Sieg 2024 entstanden. Sportdirektor Simon Rolfes sah in ten Hag den idealen Nachfolger, dessen „dominanter, offensiver Fußball“ gut zu Bayer 04 passen sollte.
Der Kaderumbau fiel jedoch drastisch aus: Schlüsselspieler wie Jonathan Tah, Florian Wirtz, Jeremie Frimpong und Granit Xhaka verließen den Verein. Leverkusen erzielte Einnahmen von knapp 230 Millionen Euro und investierte etwa 170 Millionen Euro in neue Spieler, was zu einem Transfergewinn von rund 60 Millionen Euro führte.
Obwohl finanziell erfolgreich, war die sportliche Bilanz katastrophal: Mit dem Verlust von Xhaka und Tah ging die Führungsstruktur und das defensive Rückgrat des Teams verloren, während Wirtz als offensives Aushängeschild fehlte.
Ten Hag, der an die Manager-Rolle bei Manchester United gewöhnt war, konnte sich anscheinend nicht in die deutsche Vereinshierarchie einfügen. Berichten zufolge verärgerte er die Vereinsführung durch wiederholte öffentliche Forderungen nach Verstärkungen, was in Deutschland als unangemessen gilt.
Der Tiefpunkt war der Transfer von Lucas Vázquez, der anscheinend ohne Absprache mit ten Hag durchgeführt wurde, was ein Symptom für das zerrüttete Vertrauensverhältnis zwischen Trainer und Vereinsführung darstellt.
Die Saison begann mit einem 4:0-Sieg im DFB-Pokal gegen Großaspach, der jedoch durch zwei Platzverweise für den Gegner aus der Regionalliga getäuscht wurde. Nur wenige Tage später setzte es zum Auftakt der Bundesliga-Saison eine 1:2-Niederlage gegen Hoffenheim.
Das jüngste 3:3-Unentschieden in Bremen wurde zum Sinnbild des Scheiterns: Trotz einer 3:1-Führung und einer Unterzahl des Gegners brach das Team zusammen. Ten Hag kritisierte seine Spieler scharf: „Einige sind überhaupt nicht fit genug“, und stellte fest, dass sein Team „nicht funktioniert“ habe. Kapitän Robert Andrich äußerte sich ebenfalls schonungslos: „Jeder hat für sich gespielt.“
Ein Kapitän, der seinen Trainer öffentlich in Frage stellt, ist ein Alarmsignal. Die Entlassung am 1. September wird als Schadensbegrenzung angesehen. Rolfes erklärte: „Wir hatten das Gefühl, dass alles in eine Richtung geht, die nicht die richtige ist. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, jetzt diese Entscheidung zu treffen.“
Die Probleme begannen bereits in der Vorbereitung. Strukturelle Konflikte, Kompetenzstreitigkeiten, Transfers ohne Absprache und sportliche Rückschläge führten zu einer toxischen Atmosphäre. Rolfes erklärte: „Es wäre ein großer Fehler gewesen, das einfach weiterlaufen zu lassen, und wir müssen auch eingestehen, dass die Konstellation nicht so gepasst hat, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Die Frage, wer das Ruder in Leverkusen übernehmen wird, bleibt offen.