Bayern-Block in der Nationalmannschaft: Ein Mythos?

Bayern-Block in der Nationalmannschaft: Ein Mythos?

Ein starker Block von FC Bayern könnte der deutschen Nationalmannschaft zugutekommen? Wer an diese Legende glaubt, liegt jedoch falsch.

München – Am Mittwoch empfing Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident, die Mannschaft von FC Bayern in der Staatskanzlei. Er ehrte die Herrenmannschaft für den Gewinn der deutschen Meisterschaft 2024/25 sowie die Frauenmannschaft für ihren Doppelsieg. Zahlreiche Journalisten waren eingeladen, und Söder lobte den FC Bayern als weltbekannte Marke. „Der Verein ist absolute Spitze im Sport und Teil unserer Stärke und Bekanntheit in der Welt“, betonte der 58-Jährige.

Während der Interviews verbreitete Söder jedoch einen weit verbreiteten Mythos, den auch Uli Hoeneß, der Ehrenpräsident des FC Bayern, seit Jahrzehnten propagiert. Der zentrale PR-Slogan besagt: Wenn ein starker FC-Bayern-Block in der deutschen Nationalmannschaft spielt, ist der Erfolg garantiert.

Söder äußerte beim Empfang: „Je mehr Bayern-Spieler in der Nationalmannschaft vertreten sind, desto erfolgreicher war das DFB-Team. Immer wenn wir Weltmeister wurden, hatte der FC Bayern einen überragenden Anteil daran. Man muss nicht nur auf Statistik schauen, aber der große Vorteil ist: Wenn du Blockbildungen hast, dann hast du ein eingespieltes Team und Spieler, die eine Mannschaft tragen. Das kann sehr hilfreich sein.“

Doch schauen wir uns die Fakten an: Deutschland wurde 1954 zum ersten Mal Weltmeister. Zu den „Helden von Bern“ gehörte lediglich ein Spieler des FC Bayern, der Verteidiger Hans Bauer. Der WM-Titel 1974 war ein großer Erfolg für den FC Bayern, da sieben Spieler aus München Weltmeister wurden, darunter die Legenden Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Paul Breitner.

Beim nächsten WM-Triumph war der Anteil der FC-Bayern-Spieler jedoch begrenzt. Die herausragenden Akteure waren Lothar Matthäus – der damals bereits zwei Jahre für Inter Mailand spielte –, Jürgen Klinsmann (ebenfalls Inter Mailand) und Guido Buchwald (VfB Stuttgart). Zwar gehörten sechs Spieler des FC Bayern zum Kader, aber nur Klaus Augenthaler und Jürgen Kohler waren Stammspieler.

Im Jahr 2014 hatte der Bayern-Block dann jedoch wieder einen entscheidenden Einfluss: Alle sieben Münchner Spieler trugen wesentlich zum Erfolg bei, Philipp Lahm war Kapitän und Mario Götze erzielte das Siegtor im Finale. Bei zwei WM-Titeln hatte der FC-Bayern-Block demnach einen klaren Einfluss auf das Team, während dies bei zwei weiteren Triumphen nicht der Fall war.

Es gibt jedoch auch WM-Turniere, bei denen der FC Bayern viele Spieler in der Nationalmannschaft stellte, deren Auftritte jedoch enttäuschend waren. Bei der WM 2018 waren sieben Spieler des FC Bayern im Aufgebot, fast alle waren Stammspieler, doch das Team schied erstmals in der Gruppenphase aus. Auch bei der WM 2022 waren es wieder sieben Bayern-Spieler, und erneut folgte das Ausscheiden in der Vorrunde.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Europameisterschaften. Mal gab es einen soliden FC-Bayern-Block bei Titelgewinnen (1996), mal nicht (1980 waren es nur zwei Spieler). Der Erfolg bei der EM 1972 kann jedoch stark dem FC Bayern zugeschrieben werden.

Doch auch während eines EM-Turniers gab es große Enttäuschungen mit einem vermeintlich starken FC-Bayern-Block. Bei der Europameisterschaft 2000 schied das Team mit sechs Stars des Double-Siegers FC Bayern in der Vorrunde aus, und bei der EM 2021 reichte es mit acht Bayern-Spielern nur für das Achtelfinale.

Die Wahrheit ist, dass bei einem großen Turniererfolg viele Faktoren eine Rolle spielen. Die Bildung eines Blocks ist dabei nur ein nachrangiger Aspekt. Wenn Markus Söder und Uli Hoeneß im Kern behaupten, dass ein starker oder großer FC-Bayern-Block in der Regel den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft sichert, dann ist das definitiv ein falscher Mythos.

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