Die Wahrheit über die Rettung des BVB durch Uli Hoeneß

Die Wahrheit über die Rettung des BVB durch Uli Hoeneß

Haben Uli Hoeneß und der FC Bayern den BVB vor dem Ruin bewahrt? Dieser Mythos hält sich hartnäckig, doch wie viel Wahrheit steckt in der Behauptung?

Dortmund – Liebe BVB-Fans und solche, die es werden wollen,

Sie haben sicherlich schon einmal die Aussage gelesen: „Als Uli Hoeneß den BVB vor der totalen Pleite rettete“, wie es 2022 in einer Kolumne des Fußball-Publizisten Ben Redelings auf nTV hieß. Besonders unter Bayern-Fans erfreut sich diese Geschichte großer Beliebtheit, da sie ihren Verein als großzügigen Retter präsentiert, der sogar dem größten Rivalen zur Seite steht.

Doch wie so oft bei Geschichten lohnt sich ein genauerer Blick. Ja, Bayern München hat dem BVB im Jahr 2004 tatsächlich zwei Millionen Euro geliehen. Hoeneß ließ diese Information nicht ohne Grund durchsickern. Diese Summe stimmt, doch die Behauptung, sie hätte den BVB „gerettet“, ist vergleichbar mit der Vorstellung, dass Eisspray bei einem Kreuzbandriss ausreicht.

Zu Beginn seiner Krise im Jahr 2005 hatte der BVB Schulden in Höhe von über 100 Millionen Euro angehäuft. Vor diesem Hintergrund waren zwei Millionen Euro kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Zudem war das Geld nicht geschenkt. Hans-Joachim Watzke, der damals die Sanierung übernahm, wies 2014 darauf hin, dass es einen „happigen Zinssatz“ gab.

Hoeneß und der damalige Bayern-Präsident Karl Hopfner widersprachen Watzke, was zu einem öffentlichen Streit über die Konditionen führte. Watzke räumte später einen Irrtum bezüglich des Zinssatzes ein, machte jedoch in seinem Buch „Echte Liebe“ deutlich: „Ich würde niemals den FC Bayern auch nur um einen einzigen Euro fragen. Lieber würde ich unter der Brücke in Dortmund betteln, als zum FC Bayern zu gehen.“

Die wahren Retter des BVB waren andere: Allen voran der Molsiris-Fonds, der 94 Prozent des Westfalenstadions besaß und auf Mietzahlungen verzichtete. Ohne diese Stundung und die Zustimmung zum Sanierungskonzept wäre der 14. März 2005 nicht als „zweiter Geburtstag“ des BVB in die Geschichte eingegangen, sondern als sein Todestag. Auch Watzke selbst, der einen rigorosen Sparkurs durchsetzte, spielte eine entscheidende Rolle.

Der BVB zahlte das Darlehen an Bayern übrigens schon im Juni 2005 zurück, nur wenige Monate nach dem Schicksalstag der Gläubigerversammlung am Düsseldorfer Flughafen. Dabei wurden 500.000 Euro der Darlehenssumme mit dem Transfer von Torsten Frings verrechnet. Der Nationalspieler wurde bereits 2004, wie viele andere teure Profis, beim BVB verkauft.

Dem Vernehmen nach informierte der BVB Frings einen Tag vor dem deutschen EM-Auftakt 2004 gegen die Niederlande über das Angebot aus München. „Ich musste mich innerhalb von ein, zwei Stunden entscheiden“, blickte er Jahre später zurück. Der sportliche Erfolg litt unter dem Dortmunder Sparkurs, der für die Rettung weitaus wichtiger war als das Darlehen aus München.

Von den zwei Millionen Euro blieben, unter Berücksichtigung des bitteren Frings-Transfers, nur 1,5 Millionen Euro, die der BVB zurückzahlte. Angesichts des massiven Schuldenberges war dies bestenfalls ein kleiner Baustein, jedoch sicher nicht der Grundstein für das Überleben des BVB. Wer das Gegenteil behauptet, hat wohl andere Motive.

Klugscheißer-Modus aus – bis zum nächsten Mythos.

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