Borussia Dortmund leitet unabhängige Untersuchung zu sexuellen Übergriffen ein
Nach neuen Hinweisen auf sexuelle Übergriffe eines ehemaligen Mitarbeiters wird der BVB den Fall nun unabhängig aufarbeiten. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Vorgänge umfassend zu klären und die Betroffenen zu unterstützen.
Dortmund – Borussia Dortmund hat angekündigt, die Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter unabhängig und gründlich zu untersuchen. Hierfür hat der Klub die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO sowie die Strafrechtskanzlei Knauer& beauftragt, die alle relevanten Unterlagen prüfen und Gespräche mit Betroffenen sowie weiteren Hinweisgebern vorbereiten werden. Das Ziel ist eine „tatsächliche und rechtliche Aufarbeitung des Geschehens“, wie der Verein betont.
Die Hinweise auf sexuelle Übergriffe reichen viele Jahre zurück. Der BVB wurde erstmals im Jahr 2010 mit dem Fall konfrontiert, als der Anwalt eines Betroffenen sich direkt an Hans-Joachim Watzke wandte. Der Geschäftsführer schilderte in einem Interview mit schwatzgelb.de, dass er den Vorgang damals an den damaligen Präsidenten Reinhard Rauball weitergab.
Einige Wochen später versicherte Rauball, die Angelegenheit habe sich „geklärt“. Für den Verein galt der Vorwurf damit als ausgeräumt. Der Fall tauchte jedoch erneut auf, als bekannt wurde, dass der ehemalige Mitarbeiter in den 1990er-Jahren „Näherungsversuche gegenüber einem damals volljährigen Nachwuchsspieler gemacht haben soll“.
Im Jahr 2023, als ein neuer Hinweis einging, setzte der damalige Präsident Reinhold Lunow auf direkte Aufklärung und bat Watzke um ein persönliches Gespräch mit dem Beschuldigten. Nach diesem Treffen legte der Betroffene seine Ämter nieder, löste den Arbeitsvertrag einvernehmlich auf und verließ den Verein vollständig.
Borussia Dortmund betont, dass man „tief betroffen“ von den Vorwürfen sei und sich entschieden „von jeglicher Form der Gewalt“ distanziere. Neben der juristischen und organisatorischen Aufarbeitung soll auch die Perspektive der Betroffenen stärker berücksichtigt werden. Zu diesem Zweck begleitet Sportpsychologin Dr. Jeannine Ohlert die Untersuchung. Der Klub bittet zudem aktiv um Hinweise und hat dafür eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet.
Watzke erklärte rückblickend, dass der Verein in den vergangenen Jahren viel im Bereich Prävention unternommen habe und das Personal seit 2019 regelmäßig schule. Aus den aktuellen Untersuchungen wolle der Verein weiter lernen. Seine Einschätzung: „Ich glaube nicht, dass das heute noch einmal in dem Maße vorkäme.“ (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit bvbwld.de/)