Bundesliga-Fans fordern Boykott und beeinflussen BVB-Spiel

Bundesliga-Fans fordern Boykott und beeinflussen BVB-Spiel

Die Fans der Bundesliga haben zu einem Boykott aufgerufen. Beim Heimspiel des BVB gegen den VfB Stuttgart waren die Auswirkungen auf dem Spielfeld deutlich spürbar.

Dortmund – Mit 81.036 Zuschauern war der Signal Iduna Park am Samstag beim Heimspiel des BVB gegen Stuttgart ausverkauft. Dennoch herrschte zunächst gespenstische Stille. Die Fans beider Lager protestierten in den ersten zwölf Minuten schweigend gegen die befürchteten verschärften Sicherheitsmaßnahmen, die bei der Innenministerkonferenz Anfang Dezember in Bremen zur Diskussion stehen.

Dieses fanpolitische Statement hatte merkliche Auswirkungen auf das Spiel der Schwarzgelben. Trainer Niko Kovač äußerte nach der Partie: „Es war schon spooky. 80.000 Leute im Stadion und es war nichts los. Das ist schon ein bisschen scary.“ Obwohl auch die mitgereisten Stuttgarter Fans schweigen, war der Einfluss der Aktion auf den BVB unbestreitbar größer.

„Wir haben die Mannschaft natürlich darauf vorbereitet, aber am Ende ist es beim Heimspiel kein Vorteil, wenn man zwölf Minuten lang keine Unterstützung bekommt“, analysierte Sportdirektor Sebastian Kehl die Situation in der Mixed Zone, unter anderem gegenüber Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports. Auch Torhüter Gregor Kobel bestätigte diesen Eindruck.

„In die ersten 15 Minuten sind wir nicht gut reingekommen. Es war auch ein bisschen komisch. Bei vollem Haus war es so still. Man hat gemerkt, als die Fans wieder da waren, dass wir dann auch angefangen haben, uns ein bisschen aufzuwärmen.“ Dank eines Strafstoßes von Emre Can und eines Abstaubers von Maximilian Beier ging der BVB sogar mit zwei Toren Vorsprung in die Pause.

Zu Beginn des Spiels hatte sich dies jedoch nicht angedeutet. Kovač wollte die Stille nicht als Hauptursache für die schwache Anfangsphase gelten lassen. „Wir haben in den ersten 20-25 Minuten der ersten Halbzeit nicht ins Spiel gefunden. Ich möchte die ersten zwölf Minuten nicht als Grund anführen“, stellte der Trainer klar.

Seine Analyse ging tiefer: „Wir waren nicht so präsent. Wir haben die Zweikämpfe nicht so geführt. Gerade gegen fußballerisch gute Mannschaften wie den VfB Stuttgart muss man auch körperlich präsent sein.“ Seine Mannschaft sei „in den ersten 20-25 Minuten nicht so dagewesen, wie ich mir das vorstelle. Danach wurde es besser und unser Spiel auch.“

„Körperlos Fußball spielen, das funktioniert nicht, schon gar nicht gegen gute Mannschaften“, so Kovač. Kurioserweise kassierte der BVB zu Beginn der zweiten Hälfte ein frühes Gegentor – der Boykott betraf nur die erste Halbzeit. Doch was für den BVB wirklich „scary“ ist: Wie schon gegen den HSV, auf St. Pauli und in der Champions League gegen Juventus verschenkte Dortmund in der Nachspielzeit wichtige Punkte.

Deniz Undav vollendete seinen Dreierpack zum 3:3, nachdem (ausgerechnet) Karim Adeyemi kurz zuvor den vermeintlichen Siegtreffer erzielt hatte. Dieser Umstand ärgert Dortmund besonders: Wäre in der Bundesliga nach 90 Minuten Schluss, läge der BVB zwar auch nur auf Rang drei, jedoch mit sechs statt neun Punkten Rückstand auf den FC Bayern an der Tabellenspitze.

Topics

Related news