Bundesliga-Schiedsrichter Florian Exner pfeift in der Münchner Kreisklasse

Bundesliga-Schiedsrichter Florian Exner pfeift in der Münchner Kreisklasse

Er pfeift dort, wo Millionen zuschauen: Doch an einem gewöhnlichen Samstag trat Bundesliga-Schiedsrichter Dr. Florian Exner plötzlich in der Münchner Kreisklasse auf.

München – Frankfurt, München, Bremen – das sind die typischen Einsätze von Bundesliga-Schiedsrichter Dr. Florian Exner. Spiele wie Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Köln oder das brisante Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV. Doch an diesem Tag war er nicht in der Allianz Arena, sondern pfiff das Spiel zwischen TSV 1860 München IV und der SpVgg Thalkirchen in der Kreisklasse München 4. Und mittendrin befand sich Florian Exner. Ist das derselbe Exner?

„Es war ein bisschen Zufall“, erklärte Exner im Gespräch mit Absolut Sechzig. „Die Frau eines sehr engen Freundes, der selbst Schiedsrichter ist und bei der Gastmannschaft spielt, feierte in München ihren Geburtstag. Da ich vom DFB ausnahmsweise selbst spielfrei hatte, kam die spontane Idee von ihm.“ So wurde kurzfristig entschieden, und zwei junge Assistenten wurden organisiert – und damit war die wohl ungewöhnlichste Schiedsrichterbesetzung der laufenden Kreisklassen-Saison geboren.

„Es war super angenehm“, sagte Exner. „Natürlich war der Druck nicht so groß. Es war auch einmal schön, nicht vor 50.000 Zuschauern zu pfeifen und zu wissen, dass jede Entscheidung analysiert wird.“ Einmal musste der 35-Jährige sogar auf den Punkt zeigen: „Es war ein Handelfmeter, aber der war relativ klar.“

Thalkirchen gewann das Spiel mit 3:1 und wahrt damit die Aufstiegschancen (48 Punkte, Platz zwei). Trainer Leo Fleischer und seine Mannschaft waren besonders beeindruckt von einer Sache: Das athletische Niveau von Exner „habe ich im Amateurbereich noch nie gesehen“, schwärmte Fleischer gegenüber Absolut Sechzig. „Du hast einen Konter, und plötzlich ist gefühlt der Schiedsrichter der Schnellste auf dem Platz.“

Während viele Schiedsrichter in den unteren Ligen den Mittelkreis als ihren Ort betrachten, war Exner gefühlt überall. „Souverän, transparent, kommunikativ, bodenständig, überhaupt kein Selbstdarsteller – genau so, wie man sich das wünscht.“

Auch Sinisa Zurovac, Trainer der Löwen, bemerkte einen Unterschied im Verhalten seiner Spieler, die „sehr viel Respekt und Vertrauen in die Entscheidungen des Schiedsrichters“ zeigten. Er selbst konnte sich uneingeschränkt auf das Spiel konzentrieren und zeigte sich im Nachgang „sehr glücklich über das schöne und positive Erlebnis.“

Ohne Funk, ohne Videobeweis – es handelte sich um eine reine Tatsachenentscheidung, für Exner selbst keine große Umstellung. „Ich pfeife relativ viel in der Oberliga und Regionalliga in NRW und bin daran gewöhnt“, sagte er. „Ich bin ein Schiedsrichter, der versucht, die Feldentscheidung so zu treffen, als wäre kein Videobeweis vorhanden – möglichst richtig, natürlich.“

Dass ihm dies im Kreisklassen-Duell gelang, wurde im Fazit von Thalkirchen-Coach Fleischer deutlich: „Wenn es kein Bundesliga-Schiedsrichter gewesen wäre, würden wir gar nicht über den Schiedsrichter sprechen. Und das ist eines der größten Komplimente.“

Und Exner? Er steckte seine Pfeife in die Tasche, verabschiedete sich und machte sich auf den Weg zurück. Zurück in die Welt der Kameras, des Funks im Ohr und der 50.000 grölenden Fußballfans. Von der Kreisklasse in die Bundesliga. Von Haidhausen zum Nordderby nach Bremen. Zwei Welten, ein Sport.

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