Champions League: Fans müssen für Streaming tief in die Tasche greifen

Champions League: Fans müssen für Streaming tief in die Tasche greifen

Paramount+ und Amazon haben sich die Übertragungsrechte für die Champions League gesichert, was die Fans vor erhebliche finanzielle Herausforderungen stellt. Die UEFA sieht sich wegen dieser Entwicklung in der Kritik.

Am Donnerstag wurde bekanntgegeben, dass die Champions League künftig sowohl von Paramount+ als auch von Amazon übertragen wird. Das Finale soll zusätzlich bei Netflix zu sehen sein, es sei denn, ein deutscher Klub erreicht das Endspiel, dann wird es im Free-TV ausgestrahlt. Die Bundesliga bleibt weiterhin bei Sky und DAZN.

Fans großer deutscher Klubs wie des FC Bayern benötigen somit vier Abonnements, um alle wichtigen Spiele ihres Lieblingsteams live zu verfolgen. Dies führt zu einer chaotischen Situation. Die Wut der Fans richtet sich oft gegen die UEFA, jedoch sind es in Wirklichkeit deutsche Fußball-Funktionäre, die im europäischen Verband die stärksten Vertreter sind, sei es der DFB, die DFL oder große Klubs wie Bayern.

Im Fußball-Geschäft sind alle Akteure miteinander verbunden. Wenn die Aufregung groß ist, verstecken sich die Verantwortlichen oft hinter großen, vermeintlich unpersönlichen Institutionen wie der UEFA. Dennoch agieren die Funktionäre bei den TV-Rechten aus einer wirtschaftlichen Perspektive: Sie streben nach internationalem Know-how, Reichweite und höheren Einnahmen. Große US-Unternehmen gelten im Sport-Business als führend.

Um die hohen Spielergehälter und Beraterprovisionen zu decken, sind enorme finanzielle Mittel erforderlich. US-Unternehmen haben dabei den Vorteil, politisch besser vermittelbar zu sein. Ironischerweise ist der Hauptsponsor der UEFA Champions League derzeit ein TV-Sender aus Katar (beIN Sports). Unabhängig davon, ob es sich um amerikanische, saudische oder katarische Investoren handelt, ist die Meinung von Michel ernüchternd:

Der Fußball entwickelt sich zunehmend zu einem Sport für wohlhabende Menschen. Es ist nichts gegen Reiche einzuwenden, insbesondere wenn sie ihren Wohlstand durch harte Arbeit oder innovative Geschäftsideen erlangt haben. Dennoch stellt sich die Entwicklung des Fußballs als eine Tragödie in der Geschichte dar.

Im 19. Jahrhundert entstand der Fußball in Großbritannien und etablierte sich als die weltweit führende Sportart. Er war für alle sozialen Schichten zugänglich und half, das Klassendenken zu überwinden. Fußball ermöglichte es Menschen, aus ärmsten Verhältnissen aufzusteigen, unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Nationalität.

Der Geist der Fußball-Gründer ist heute noch auf zwei Ebenen erkennbar: Weltmeisterschaften bringen Menschen aus aller Welt zusammen und sind alle vier Jahre das größte Ereignis. Zudem bleibt der Profi-Fußball ein Sport für ehrgeizige Menschen aus unteren Schichten; in den Startelfs der meisten Top-Klubs in Europa stammt oft die Hälfte der Spieler aus ehemals armen Verhältnissen.

Allerdings können sich arme Menschen, die den Fußball lieben, nicht vier Pay-TV-Abonnements leisten, die jeweils über 50 Euro im Monat kosten. Dies führt zu extremen Einsparungen in anderen Lebensbereichen. So werden die Kernzielgruppen von den TV-Bildschirmen ausgeschlossen, was man auch in vielen Stadien weltweit beobachten kann: In England sind Eintrittspreise von über 50 Euro für die günstigsten Plätze keine Seltenheit.

Das Fußball-Business geht ein gewagtes Risiko ein: Es glaubt, Millionen finanziell schwächerer Fans zunehmend ausschließen zu können, weil genügend Fans aus der Mittel- und Oberschicht vorhanden sind, die den Fußball finanzieren. Dabei könnte die Liebe zum Fußball verloren gehen, während das Geld bleibt. Die am Donnerstag angekündigte Anzahl der benötigten TV-Abonnements ist ein Paradebeispiel dafür.

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