Daniel Thioune: Veränderungen und Herausforderungen bei Werder Bremen
Daniel Thioune ist seit 50 Tagen Cheftrainer von Werder Bremen. In dieser Zeit hat er bereits zahlreiche Veränderungen initiiert und es gibt interessante Details zu seinem Vertrag.
Bremen – In einem Konferenzraum, strategisch zwischen Bremen und Osnabrück gelegen, trafen sich Clemens Fritz und Daniel Thioune Anfang Februar. Der Raum, ausgestattet mit einem großen Tisch und mehreren Stühlen, war der Ort für ein schnelles und unauffälliges Treffen. Nach zweieinhalb Stunden war der Trainerkandidat Thioune überzeugt, Sportchef Fritz in nur 45 Minuten von sich zu gewinnen. Am folgenden Tag kam die Zusage: Thioune hatte den Job. Am 4. Februar gab Werder Bremen die Verpflichtung offiziell bekannt. Seitdem hat Thioune mit der Mannschaft vier Spiele verloren und drei gewonnen, während er gleichzeitig viele Aspekte innerhalb des Clubs verändert hat.
Fußballerisch hat Werder Bremen unter dem 51-Jährigen bisher nicht die erhofften Leistungen gezeigt. Dennoch ist es Thioune gelungen, das Vertrauen in den Klassenerhalt zurückzubringen. Ob in der Kabine, auf dem Trainingsplatz oder bei der Videoanalyse – seit Thioune die Verantwortung von Horst Steffen übernommen hat, sind viele Dinge beim SV Werder wieder Chefsache. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger delegiert der neue Trainer deutlich weniger Aufgaben und ist während der Trainingseinheiten omnipräsent. Dies kommt bei der Mannschaft gut an. Während Steffen oft als Supervisor am Rand stand und seinen Co-Trainer die Anweisungen überließ, ist Thioune aktiv involviert, unterbricht, korrigiert und motiviert die Spieler. „Seine klare, energetische Art passt sehr gut zu uns. Dadurch bringt er viel Energie ins Team“, sagt Sportchef Fritz gegenüber der DeichStube. „Gleichzeitig fordert Daniel auch viel von den Spielern.“ Thioune hat es geschafft, eine Balance zu finden, in der sich die erfahrenen Profis gehört und die jüngeren Spieler gesehen fühlen. Allen ist bewusst, dass letztendlich der Trainer die Entscheidungen trifft. Der zuvor fast demokratische Ansatz von Steffen hatte in der sportlichen Krise zu einem Verlust an Autorität geführt.
Dank seines Führungsstils ist es Thioune gelungen, einen sportlichen Umschwung einzuleiten und zu festigen. Ende Februar wirkte er jedoch kurzzeitig überfordert, als der SV Werder mehr Energie von ihm zu verlangen schien, als er liefern konnte. Nach der 1:2-Niederlage beim FC St. Pauli, seiner dritten Pleite in Folge, war sein Auftritt bei der Pressekonferenz von einem Gefühl der Enttäuschung geprägt. Eine Woche später jedoch sicherte ein 2:0-Heimsieg gegen das Schlusslicht Heidenheim, dass eine erneute Trainerdiskussion vermieden wurde. Der nachfolgende 4:1-Erfolg bei Union Berlin war ebenso wichtig, da die Mannschaft auch nach einer schwachen Leistung, wie der 0:2-Niederlage gegen Mainz, wieder auf die Beine kam, wie der Erfolg in Wolfsburg zeigte – trotz des Fehlens mehrerer Leistungsträger. Werder kann nun besser mit Widerständen umgehen, was im Abstiegskampf eine positive Nachricht ist.
Obwohl die Spiele oft nicht ansprechend sind, sind Thiounes grundsätzliche fußballerische Ideen erkennbar, insbesondere die neue taktische Flexibilität in der Defensive. Während unter Horst Steffen die Frage nach einer Dreier- oder Viererkette zum Politikum wurde, wechselt die Mannschaft unter Thioune situativ zwischen beiden Formationen. Sportchef Clemens Fritz hebt hervor, dass er von den Lösungsansätzen des Trainers schnell überzeugt war. Ein Bereich, in dem Thioune jedoch noch keine Lösung gefunden hat, ist die anhaltende Schwäche in der Sturmspitze, die eher auf eine fehlerhafte Kaderplanung zurückzuführen ist. „Wir sind überzeugt, dass wir mit Daniel den Klassenerhalt erreichen werden“, sagt Fritz, ein Satz, den ein Sportchef in der aktuellen Situation eben äußern muss. Unabhängig vom Ausgang der Saison hat Thioune einen Vertrag unterschrieben, der ihn über den Sommer hinaus an den Verein bindet. Bleibt Bremen in der ersten Liga, bleibt auch Thioune. Im Falle eines Abstiegs könnte es komplizierter werden. Eine Klausel, die eine automatische Trennung bei einem Abstieg vorsieht, gibt es nicht, jedoch könnte Werder von einem Kündigungsrecht Gebrauch machen. Die Verantwortlichen schließen nicht aus, dass sie im Falle eines Abstiegs mit Thioune auch in der zweiten Liga weitermachen könnten.