Der Umgang mit Rückschlägen im deutschen Fußball
Es gibt sicherlich Nationalmannschaften mit einer stärkeren Kaderqualität als Deutschland. Ein entscheidender Unterschied zeigt sich jedoch im Umgang mit Rückschlägen. Ein Kommentar.
New York – Im Weltfußball wird intensiv darüber diskutiert, wie sich Mannschaftskulturen entwickeln: Warum verliert Real Madrid nie ein Finale? Was bedeutet das Motto "Mia san Mia" des FC Bayern? Und wieso hat die englische Nationalmannschaft (Achtung: Stammtisch-Witz!) Schwierigkeiten, Elfmeterschießen zu gewinnen? Im Vereinsfußball lässt sich diese Frage damit beantworten, dass Spieler und Vereinsverantwortliche über Jahre hinweg täglich zusammenarbeiten und so Arbeitsmoral sowie Einstellungen weitergegeben werden.
Im Nationalmannschaftsfußball gestaltet sich die Analyse psychologischer Muster jedoch deutlich schwieriger – schließlich finden die großen Turniere nur alle zwei oder vier Jahre statt und häufig gibt es einen Wechsel im Personal. Dennoch ist der Druck, der auf der DFB-Elf für das Jahr 2026 lastet, spürbar, insbesondere nach dem zweimaligen Verpassen der K.o.-Runde in 2018 und 2022.
Wann immer die Mannschaft in kritische Situationen gerät, zeigt sie zumindest für einige Minuten Anzeichen von Unsicherheit. Dies war bereits nach dem Ausgleich Curacaos im Eröffnungsspiel zu beobachten, verstärkt beim Sieg gegen die Elfenbeinküste und besonders deutlich am Donnerstag gegen Ecuador (1:2), obwohl es tabellarisch um nichts mehr ging.
Obwohl nur noch vier Spieler aus dem Kader von 2018 (Neuer, Rüdiger, Kimmich und Goretzka) übrig sind, scheint die Nervosität dieser Generation auf den aktuellen Kader übergegangen zu sein. Dies könnte der DFB-Elf im weiteren Verlauf der WM 2026 zum Verhängnis werden. Natürlich haben auch Frankreich, England oder Spanien mal schwache Tage.
Der Unterschied besteht jedoch darin, dass diese Teams nicht sofort auseinanderbrechen. Sie bleiben stabil, finden Wege zurück ins Spiel und vertrauen auf ihre Qualität. Deutschland hingegen verliert nach Rückschlägen viel zu schnell die Kontrolle. Das Problem liegt daher nicht nur in der physischen Verfassung, sondern auch im Kopf der Spieler.