Der unaufhaltsame Absturz von Eintracht Frankfurt: Erinnerungen von Thomas Sobotzik
Vor 25 Jahren erlebte Eintracht Frankfurt einen der dunkelsten Tage in seiner Vereinsgeschichte, als der Abstieg in die zweite Liga besiegelt wurde. Thomas Sobotzik, ein ehemaliger Profi und heute 51 Jahre alt, erinnert sich noch genau an die Ereignisse des 12. Mai, als die Spieler von den eigenen Fans mit Unmut empfangen wurden. Der legendäre Trikotwurf von Rolf-Christel Guiè-Mien symbolisierte den Frust der Anhänger und das Versagen der Mannschaft.
„Wir erfahrenen Spieler waren überrascht von Rolf-Christels Aktion und hatten ihm geraten, sein Trikot besser bei sich zu behalten“, erzählt Sobotzik. „Doch in dieser Situation war es bereits zu spät.“ Das Team hatte die Saison bereits mental abgehakt, lange bevor das Spiel in Wolfsburg stattfand.
Die Situation war bereits unhaltbar, trotz der optimistischen Worte von Trainer Friedel Rausch, der vor dem entscheidenden Spiel betonte, dass die Mannschaft die Ernsthaftigkeit der Lage erkannt habe. Rauschs Aussagen fanden jedoch kein Gehör und auch er selbst konnte den nötigen Siegeswillen nicht vermitteln. Im Nachhinein stellte er fest: „Die Mannschaft war psychisch überfordert, es fehlte einfach an Qualität.“
Das 2:1 im letzten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart war nur noch ein schwacher Trost. „Es war eine Chaos-Saison“, blickt Sobotzik zurück. Die Probleme begannen bereits mit der Trennung von Trainer Felix Magath, die nach einer Niederlage gegen den 1. FC Köln im Januar 2001 folgte. „Danach waren wir im freien Fall“, erinnert sich der Spielmacher. Magath hatte die Eintracht im Vorjahr trotz schwieriger Umstände in der Liga gehalten, doch nach seiner Entlassung fehlte der Mannschaft die Struktur.
Weder Sportvorstand Rolf Dohmen, der zwischenzeitlich als Trainer fungierte, noch Rausch konnten die Mannschaft wieder stabilisieren. Sobotzik beschreibt die Situation als „seelenlos“, da es keinen Glauben mehr an eine Wende gab. „Wir waren einfach tot“, sagt er. Für den Überlebenskampf im Fußball ist jedoch der Glaube an den Erfolg entscheidend, wie er am legendären Saisonfinale 1999 erlebte, als die Eintracht mit 5:1 gegen Kaiserslautern gewann.
Die interne Kommunikation war ebenfalls problematisch. Eine Boulevardzeitung berichtete, dass Rausch Sobotzik und einen anderen Spieler entlassen wollte, was zu Verwirrung innerhalb der Mannschaft führte. Rausch beruhigte die Spieler, doch das Vertrauen war bereits erschüttert. „Das war ein Mangel an Vertrauen“, betont Sobotzik, der nach der Saison mit weiteren Spielern ausgemustert wurde und schließlich zu Rapid Wien wechselte.
„Die Trennung von einem Trainer ist immer einfach, um dem Druck von außen gerecht zu werden“, reflektiert Sobotzik. Er ist überzeugt, dass mit Felix Magath der Abstieg nicht passiert wäre. Auch die spätere Trennung von Dino Toppmöller hält er für einen Fehler, obwohl er Albert Riera nicht die gesamte Schuld zuschiebt. „Die Erwartungen waren zu hoch, und die Mannschaft ist nicht auf dem Niveau einer Champions-League-Mannschaft“, so Sobotzik. Trotz Verletzungspech ist Platz acht nach erfolgreichen Jahren keine Schande, im Gegensatz zu den Geschehnissen im Mai 2001.