Deutschland zeigt Reaktion nach Sieg gegen Nordirland
Mit dem Sieg gegen Nordirland hat die deutsche Nationalmannschaft zumindest ergebnistechnisch eine Reaktion gezeigt, doch es bleibt noch viel Arbeit für Trainer Julian Nagelsmann.
Köln – Der Jubel war deutlich spürbar. Nach dem entscheidenden Treffer zum 3:1 gegen Nordirland versammelte sich die deutsche Mannschaft um Torschütze Florian Wirtz und ließ den Frust der letzten Tage hinter sich.
Die Erleichterung war der DFB-Elf anzumerken, schließlich gab es nach dem 0:2-Debakel in der Slowakei in der vergangenen Woche berechtigte Kritik.
Durch den Sieg gegen die Nordiren hat der DFB nun zumindest ergebnistechnisch eine Reaktion gezeigt. Ein Befreiungsschlag sieht jedoch anders aus. „Das war ein Schritt nach vorne“, erklärte Waldemar Anton, der in der neuformierten Dreierkette als zentraler Innenverteidiger agierte. „Wir haben noch genug Spiele, in denen wir beweisen müssen, dass wir alle am gleichen Strang ziehen und gewinnen wollen. Aber heute war der erste Schritt.“
Allerdings stehen der Nationalmannschaft nicht viele Möglichkeiten zur Verfügung, um diese nächsten Schritte zu gehen. Es folgen noch vier Länderspiele, um sich für die Weltmeisterschaft 2026 zu qualifizieren und den ungeliebten Playoffs aus dem Weg zu gehen, sowie zwei weitere, um in WM-Form zu kommen.
Trotz der merklich verbesserten Einstellung und dem zweiten Sieg des Kalenderjahres stellt sich nach dieser Länderspielperiode die Frage, ob dies ausreicht, um die hochgesteckten Ziele – zwischen Turniersieg und „eine gute Rolle spielen“ – zu erreichen.
Die Baustellen für Julian Nagelsmann sind offensichtlich: Die Abwehr funktionierte auch im neuen 3-4-2-1-System nicht optimal. Dieses System sieht im Ballbesitz eine Dreierkette vor, wird jedoch defensiv zur Fünferkette. Antonio Rüdiger, der als Abwehrchef eingeplant war, hat derzeit Schwierigkeiten, seine Form zu finden und zeigte mehrere Unsicherheiten im Aufbauspiel, eine davon führte zur Ecke, die den Ausgleich der Nordiren ermöglichte.
Für die fehlenden Abläufe sind jedoch nicht nur die Spieler verantwortlich, sondern auch Nagelsmann selbst. Vor fast jeder Länderspielperiode probiert der Bundestrainer eine neue Taktik aus. Anders als im Vereinsfußball stehen ihm jedoch nur wenige Trainingseinheiten zur Verfügung, um seine Ideen den Spielern zu vermitteln.
Andere Topnationen wie Spanien, die mit 6:0 gegen die Türkei gewannen, setzen konsequent auf eine Ausrichtung, die sie mit jedem Länderspiel verfeinern.
Immerhin zeigte die DFB-Elf die „deutschen Tugenden“, die für eine griffige Einstellung stehen. Sie ließ sich auch vom Ausgleich nicht aus dem Konzept bringen, der das Potenzial für einen weiteren Rückschlag hatte: „Wir gehen in Führung, dann kommt Nordirland aus dem Nichts zu einem Tor. Es ist völlig normal und menschlich, dass wir dann ein wenig geschockt und verunsichert sind“, erklärte David Raum.
„Wir müssen aus diesen Fehlern lernen, als Mannschaft insgesamt wachsen, mehr zusammenstehen und mehr Selbstverständlichkeit an den Tag legen.“ Bis zur nächsten Partie gegen Luxemburg am 10. Oktober bleibt also genug zu tun.