DFB-Geschäftsführer fordert Regeländerung zur Entschädigung bei Nationalmannschaftswechseln

DFB-Geschäftsführer fordert Regeländerung zur Entschädigung bei Nationalmannschaftswechseln

Der Geschäftsführer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Andreas Rettig, fordert eine umfassende Regeländerung, die dem Verband in den vergangenen Jahren möglicherweise erhebliche finanzielle Vorteile gebracht hätte.

Im Vereinsfußball ist es seit Jahrzehnten üblich, dass Vereine Ablösen für verpflichtete Spieler zahlen. Rettig schlägt vor, dass künftig auch Verbände bei Nationalmannschaftswechseln entschädigt werden sollten. „Es erschließt sich mir nicht, warum ein Spieler, der über fünf Jahre hinweg in erster Linie bei seinem Verein und dann auch beim Verband als Juniorpartner ausgebildet wurde, ohne Entschädigung den Nationalverband wechseln kann“, kritisierte er gegenüber der dpa.

Rettig betont, dass der DFB bereits an einer Lösung arbeitet. „Wir prüfen derzeit, ob es möglich ist, Ausbildungsentschädigungen beim Wechsel des Nationalverbands einzuführen“, erklärte er und fügte hinzu: „Die Ausbildung muss sich für beide Seiten lohnen – sowohl für den Auszubildenden als auch für den Ausbilder.“ Bereits vor einigen Wochen hatte Rettig ein Umdenken in dieser Angelegenheit gefordert.

In den letzten Jahren haben sich immer mehr Spieler entschieden, nicht für die deutsche A-Nationalmannschaft zu spielen, obwohl sie dazu berechtigt sind und der DFB um sie geworben hat. Jüngste Beispiele sind Can Uzun und Kenan Yildiz, die stattdessen für die Türkei spielen. Beide wurden bereits in der Jugend in den türkischen U-Mannschaften ausgebildet.

Der DFB hatte versucht, sie abzuwerben, und Rettig ist der Meinung, dass eine Ablöse gezahlt werden müsste. Ein ähnlicher Fall war Jamal Musiala, der mehrere U-Mannschaften Englands durchlief, sich jedoch 2021 entschied, für Deutschland zu debütieren. Nun haben Rettig und sein Team sich zum Ziel gesetzt, die bestehende Regelung zu ändern, auch wenn dies bedeutet, dass sie möglicherweise in Zukunft für einige Talente zahlen müssen.

Der Grund für die plötzlichen Bemühungen des DFB ist laut Rettig, dass etwa 43 Prozent der unter Fünfjährigen in Deutschland einen Migrationshintergrund haben. Viele Spieler in den jüngeren Mannschaften besitzen häufig eine doppelte Staatsbürgerschaft und können zwischen Deutschland und einem anderen Land wählen.

„Wenn sie zehn oder zwölf Jahre älter sind, können sie sich entscheiden: Ist mir der Adler lieber als beispielsweise der Halbmond (Symbol in der Flagge der Türkei)?“, erklärt Rettig. Ob es tatsächlich zu einer solchen weitreichenden Regeländerung kommt, bleibt abzuwarten. Immerhin müssten Kriterien festgelegt werden, nach denen die Höhe der Ablöse bemessen wird, und es gibt vermutlich auch einige bürokratische Hürden zu überwinden.

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