Die erste Meisterschaft des FC Bayern vor 94 Jahren

Die erste Meisterschaft des FC Bayern vor 94 Jahren

Der FC Bayern München ist seit 1987 alleiniger deutscher Rekordmeister und hat heute stolze 35 Titel errungen. Hier ist die legendäre Geschichte der ersten Meisterschaft, die vor 94 Jahren gewonnen wurde.

Nürnberg / München – Am 12. Juni 1932 trat der FC Bayern unter dem legendären Präsidenten Kurt Landauer mit dem 1930 verpflichteten „Startrainer“ Richard Dombi erstmals in der Vereinsgeschichte im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft an. Der Gegner war Eintracht Frankfurt, gegen den man sechs Wochen zuvor im „Skandal-Endspiel“ um die Süddeutsche Meisterschaft verloren hatte.

Bereits zweimal zuvor – als Süddeutscher Meister 1926 und 1928 – waren die Bayern als Favoriten in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft gegangen und waren jeweils vorzeitig gescheitert (1926 im Achtelfinale; 1928 im Halbfinale). Der DFB wählte Nürnberg als Endspielort, was überraschend war, da die Bayern zwei Wochen zuvor den Club im Halbfinale mit 2:0 besiegt hatten.

Tausende von FC Bayern-Anhängern machten sich in den Tagen vor dem Endspiel auf den Weg nach Nürnberg, um bei diesem bedeutenden Spiel dabei zu sein. Autokolonnen bildeten sich in Richtung Nürnberg, die (Sonder-)Züge waren überfüllt, und viele Fans reisten mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Die Sportzeitschrift Fussball kommentierte den Enthusiasmus der Bayern-Anhänger mit den Worten: „Endspiel und Bayernsieg“.

Der FC Bayern stellte zudem seinen erwerbslosen Anhängern die Eintrittskarten und Verpflegung zur Verfügung. Kurt Landauers rechte Hand, der heutige Ehrenpräsident Siegfried „Siggi“ Herrmann, kümmerte sich um die Fans. Unterwegs wurde lautstark „Hipp, hipp, hurra, dem neuen Deutschen Meister“ skandiert.

Bereits einen Tag vor dem Finale strömten die Anhänger des FC Bayern und der Eintracht nach Nürnberg. Die Begeisterung war grenzenlos. Laut den Münchner Neuesten Nachrichten erlebte das Sportzentrum Nürnberg/Fürth ein gewaltiges Interesse für ein Fußballspiel, das es zuvor noch nie gegeben hatte. Das Stadion war mit 58.000 Menschen bis zur Grenze seines Fassungsvermögens gefüllt, und die Atmosphäre war elektrisierend.

Die Bayern-Mannschaft hielt sich vor dem Endspiel weitgehend verborgen. Sogar Präsident Landauer wusste nicht, wo sich die Spieler aufhielten; sie hatten in einem Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs in Nürnberg eingecheckt.

Bei drückend heißem Wetter stellte Richard Dombi folgende Mannschaft auf: Sigmund Haringer; Josef Bergmaier; Hans Welker; Konny Heidkamp; Joseph Lechler; Ernst Nagelschmitz; Robert Breindl; Franz Krumm; Hans Schmid II; Ludwig Lutte Goldbrunner; Oskar „Ossi“ Rohr.

Das Spiel war intensiv und die Bayern dominierten. In der 35. Minute fiel die entscheidende Szene: Bergmaiers Ecke erreichte den bedrängten Krumm, der sofort schoss – die Hand des Frankfurters Stubb stoppte den Ball – Elfmeter!

Ossi Rohr verwandelte den Strafstoß zum 1:0, was als eines der legendärsten Tore in der Geschichte des FC Bayern gilt. Kapitän Heidkamp wollte den Strafstoß schießen, doch die Nerven versagten, und der erst 20-jährige Rohr übernahm die Verantwortung. Diese Szene wird oft mit dem WM-Finale 1990 verglichen, als Lothar Matthäus den Elfmeter an Andreas Brehme abgab.

Mitspieler Haringer erinnerte sich: „Wie Rohr den Ball trifft, trifft er zunächst den Boden, sodass die Kreidemarkierung nur so staubt. Das war sein Glück, denn durch den Stoß in die Erde bekam sein Fuß eine andere Richtung.“

Die Frankfurter reagierten auf den Rückstand mit einer harten Gangart. Die neutralen Zuschauer, die ohnehin mehr FCB-Fans im Stadion waren, schlossen sich zunehmend dem Bayern-Lager an. Nagelschmitz verletzte sich bei einer harten Attacke und musste bis zur Halbzeit zuschauen. Dennoch gingen die Bayern mit einer knappen Führung in die Pause.

Nach der Halbzeit kam Eintracht besser ins Spiel, aber nach einer Stunde übernahmen die Bayern wieder das Kommando. In der 75. Minute fiel die Entscheidung: Franz Krumm überwand zwei Gegenspieler und erzielte mit einem präzisen Schuss das 2:0. Diese Art von Spielzügen wurde viele Jahre später von Spielern wie Arjen Robben und Michael Olise bewundert.

Das Stadion, das zu diesem Zeitpunkt fast vollständig auf Seiten der Bayern war, tobte, und es drohte ein Platzsturm. Nach dem Schlusspfiff geschah es dann tatsächlich – die Spieler wurden von ihren Anhängern auf den Schultern durch das Stadion getragen. Der Jubel auf Münchner Seite kannte keine Grenzen.

Die 75-Jahres-Chronik beschrieb den Sieg als ehrlich verdient. Die Bayern-Mannschaft spielte deutlich besser und zeigte eine Form, die eines deutschen Meisters würdig ist. Jeder Spieler kämpfte bis zum Schluss aufopferungsvoll.

Nach dem Sieg feierten die Spieler und Fans lautstark. Die Viktoria, die damalige Trophäe für die Deutsche Meisterschaft, wurde mit dem Nachthemd von Präsident Kurt Landauer geschmückt und landete auf humorvolle Weise in seinem Bett. Am folgenden Tag fand ein triumphaler Meisterempfang in München statt.

In der 50-Jahres-Chronik des FC Bayern wird der Einzug in München als triumphal beschrieben. Die Herren Sorg und Klippstein organisierten alles meisterlich in nur 24 Stunden. In einer Kutsche, die den Namen des Bayern-Präsidenten trug, zogen sie vom Hauptbahnhof über den Stachus durch die Neuhauser- und Kaufingerstraße bis zum Marienplatz. Große Gruppen aktiver und jugendlicher Spieler, alle in rot-weißen Trikots, eröffneten und schlossen den Zug.

Die bayerische Landeshauptstadt war im Ausnahmezustand: Tausende von rot-weißen Fähnchen wurden unter den jubelnden Münchnern verteilt, die den gesamten Zugweg in dichten Mauern umsäumten.

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