Die Rolle des BVB bei der Nationalmannschaft und WM-Qualifikation
Im Oktober wird Borussia Dortmund (BVB) fünf deutsche Nationalspieler abstellen. Blockbildung wird häufig als Schlüssel zum Erfolg betrachtet. Doch wie verhält es sich tatsächlich damit?
Dortmund/Sinsheim – Uli Hoeneß wird oft mit der Aussage zitiert, dass es der Nationalmannschaft gut gehe, wenn es dem FC Bayern gut gehe. Momentan kann der Rekordmeister auf einen hervorragenden Saisonstart zurückblicken, trotz der Verletzung von Topstar Jamal Musiala. Aktuell stellen die Münchner fünf Nationalspieler, ebenso viele wie Borussia Dortmund.
Die Verantwortlichen des BVB halten sich in der Regel mit markanten Äußerungen zum DFB zurück. Trainer Niko Kovač wagte zuletzt jedoch einen vorsichtigen Hinweis an Julian Nagelsmann, die Belastungssteuerung bei Comebacker Nico Schlotterbeck zu berücksichtigen. Die Frage bleibt: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Situation beim BVB und der Nationalmannschaft?
Mit Schlotterbeck, Karim Adeyemi, Waldemar Anton, Maximilian Beier und Felix Nmecha stellt Dortmund fünf Spieler für die WM-Qualifikationsspiele gegen Luxemburg und in Nordirland. Julian Nagelsmann zeigt sich von der Entwicklung des BVB unter Kovač, die auch Spieler wie Julian Brandt, Pascal Groß, Niklas Süle und den verletzten Emre Can umfasst, durchaus beeindruckt.
Die Geschichte zeigt jedoch klar: Die Größe des BVB-Blocks ist kein verlässlicher Indikator für den Erfolg oder Misserfolg der deutschen Nationalmannschaft. Bei der WM 2022 in Katar standen fünf BVB-Spieler im Aufgebot von Hansi Flick, Deutschland scheiterte jedoch in der Gruppenphase. Ähnlich erging es 2018 in Russland, als nur Marco Reus den BVB vertrat.
2014 wurden vier BVB-Profis in Brasilien Weltmeister, während die DFB-Auswahl 2010 in Südafrika ohne Dortmunder den dritten Platz belegte. Bereits 2006 reichte es bei der Heim-WM für „Bronze“, wobei drei BVB-Kicker im Kader waren. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt ein ähnliches Bild: Die WM-Titel 1990 wurden mit zwei BVB-Profis gewonnen, 1974 war kein einziger Dortmunder im Aufgebot.
1954 war nur Ersatzkeeper Heinrich Kwiatkowski dabei. Der Blick auf die Europameisterschaften könnte jedoch ein gutes Omen sein. Den letzten EM-Titel holte Deutschland 1996 mit einem Fünferblock, der derzeit ebenfalls besteht. Ob Adeyemi, Anton, Beier, Nmecha und Schlotterbeck 30 Jahre später in die Fußstapfen von Steffen Freund, Jürgen Kohler, Andreas Möller, Stefan Reuter und Matthias Sammer treten können, bleibt abzuwarten.
Zunächst müssen sie jedoch im WM-Kader stehen – und die DFB-Auswahl darf sich nach dem Fehlstart in die Qualifikation keine Blöße mehr geben. Das oft zitierte Bonmot von Ehrenpräsident Uli Hoeneß über den FC Bayern und das DFB-Team hält bei genauerer Betrachtung nur teilweise stand.