Einblicke in die Welt des Eishockeys während der WM-Reise
Sportbegeisterte, egal ob Eishockey- oder Fußball-Fans, haben letztlich vieles gemeinsam. Dies wurde mir während einer Busreise deutlich, die ich als Reporter für Absolut-Fussball unternahm. Hier ist mein WM-Tagebuch.
Toronto – Kürzlich verbrachte ich zehn Stunden im Bus, auf dem Weg von Kanada in die USA zur WM 2026. War es eine Qual? Keineswegs, sondern ein Vergnügen – dank Paul, unserem erfahrenen Busfahrer. Er hatte zahlreiche Geschichten über kuriose Einreisekomplikationen an den Grenzübergängen parat und eine klare Meinung zu dem „größten Präsidenten aller Zeiten“, der gegen Migranten ist, obwohl seine erste Frau Migrantin war, seine zweite Frau ebenfalls und er selbst aus einer Migrantenfamilie stammt.
Besonders schön war die Reise, weil Paul und ich während der Pausen tiefgehende Gespräche über Eishockey führen konnten. Wir diskutierten die Kaderplanung seines Teams, der Toronto Maple Leafs, die seit Jahren erfolglos sind, sowie die Probleme rund um den General-Manager, Trainer und Torhüter.
Am kommenden Wochenende steht zudem der NHL-Draft an, und Paul ist unsicher: Soll sein Team das 18-jährige kanadische Top-Talent McKenna vom College oder den talentierten schwedischen Teenager Stenberg auswählen? Es war wie ein Fußball-Stammtischgespräch à la „Muss Nagelsmann jetzt endlich Undav spielen lassen?“ – nur im Kontext eines anderen Sports.
Besonders leidenschaftlich wurde Paul beim Thema Familie Tkachuk. Der Vater war NHL-Spieler, und auch die Söhne Matt und Brady sind aktiv. Beide sind leidenschaftliche Trump-Anhänger und gewannen dieses Jahr mit der US-Nationalmannschaft Olympiagold. Für Paul sind sie jedoch „eine Plage“. Matt Tkachuk provozierte kürzlich den deutschen Star Leon Draisaitl vor laufenden Kameras: „Na Leon, immer die Brautjungfer, niemals die Braut.“ Paul sieht die Tkachuks als „überbezahlte Durchschnittsspieler“.
Matt (Florida) und Brady (Ottawa) spielten bislang in verschiedenen Teams. Kurz bevor wir unser Ziel New York erreichten, erhielt Paul eine Nachricht auf seinem Handy, das er als zusätzliches Navigationsgerät nutzte. Er rief mir durch den Bus zu: „Brady Tkachuk wurde nach Florida getradet.“ Er lachte und schimpfte darüber. Transfers wecken unsere Sensationslust und bringen uns dazu, absolute Meinungen zu bilden – letztlich sind im Sport doch alle gleich. Paul und ich verabschiedeten uns herzlich voneinander.