Eintracht Frankfurt: Herausforderung zwischen Champions League und Bundesliga
Eintracht Frankfurt steht vor der Herausforderung, die Anforderungen der Champions League und der Bundesliga zu meistern. Besonders die beiden Spitzenklubs haben in dieser Hinsicht einen Vorteil.
Frankfurt – Am Donnerstagabend richtete sich der globale Fokus auf Eintracht Frankfurt. Nach einem beeindruckenden 5:1-Sieg gegen Galatasaray Istanbul kletterten die Hessen an die Spitze der Champions League. Obwohl die Verantwortlichen diese Momentaufnahme nicht überbewerten wollten, wurde sie zum Gesprächsthema.
Die Intensität der Champions League unterscheidet sich erheblich von der Europa League oder der Conference League. Frankfurt hat sich über die Bundesliga für das prestigeträchtige Turnier qualifiziert. „Wir stehen vor einer spannenden Reise, denn die Champions League ist für uns Neuland“, erklärte Trainer Dino Toppmöller im Bild-Podcast Phrasenmäher.
Im Spiel gegen Istanbul standen zehn Spieler in der Startelf, die ihr Debüt in der Königsklasse feierten. Die erfahrenen Akteure Mario Götze und Rasmus Kristensen fehlten verletzungsbedingt, während Mahmoud Dahoud in Toppmöllers Planungen eine untergeordnete Rolle spielt. Für das junge Team war dies ein bedeutender Tag in ihrer Karriere.
Toppmöller blickt gespannt in die Zukunft: „Ich habe großen Respekt davor, wie viel Energie die Emotionalität des Wettbewerbs kostet. Es ist ein Unterschied, ob du dein erstes Europa-League-Heimspiel gegen Pilsen hast oder ob ein Klub wie Liverpool kommt. Das hat einen langfristigen Einfluss auf die Spieler.“
Union Berlin nutzte am Sonntagnachmittag die Gelegenheit und feierte einen spektakulären 4:3-Auswärtssieg. Die Rückkehr nach der Gala gegen Galatasaray war für die Mannschaft entsprechend hart. Toppmöller hatte in dem zuvor aufgenommenen Podcast bereits geahnt: „Es gibt andere Aufgaben, die wir erledigen müssen. Ich bin gespannt, wie wir den Spagat hinbekommen.“
Obwohl die Eintracht mittlerweile mit der Dreifachbelastung umzugehen weiß, ist die Bühne der Champions League nochmals größer, glanzvoller und lautstärker. Auch die großen Clubs wie Real Madrid, Manchester City, Paris Saint-Germain und Inter Mailand beobachten die Entwicklungen genau. Der Übergang vom Feiertag zum Alltag ist ein Drahtseilakt.
Ein Blick auf den FC Bayern München und Borussia Dortmund lohnt sich. Diese beiden deutschen Topklubs haben die meiste Erfahrung im Umgang mit dem ständigen Wechsel zwischen Champions League und Liga. Der FC Bayern erledigte seine Pflichtaufgabe gegen die TSG Hoffenheim mit einem 4:1-Sieg, während der BVB sich gegen den VfL Wolfsburg mit 1:0 durchsetzte.
Der Vorsprung der beiden Klubs ist historisch bedingt größer. Der FC Bayern verpasste die Teilnahme an der Champions League zuletzt vor fast 20 Jahren, während die Dortmunder seit 2016 ununterbrochen vertreten sind. Beide Vereine agieren in Bezug auf Erfahrung und Wirtschaftlichkeit in ganz anderen Dimensionen als die Frankfurter. Für sie sind Vorrundenspiele gegen Barcelona oder Liverpool zur Normalität geworden.
BVB-Coach Niko Kovač betonte: „Es ist körperlich nicht machbar, jeden dritten Tag 90 Minuten zu spielen. Wir brauchen die Breite im Kader. Egal, wen wir aufstellen, das sind alles Nationalspieler. Die Qualität ist vorhanden. Jeder Einzelne wird rotieren müssen, das gehört dazu.“
Genau diese Breite gilt es zu entwickeln und auszuschöpfen. Dortmund und der FC Bayern haben durch ihre finanziellen Vorteile die Möglichkeit, teure Erfahrung hinzuzufügen. Auf diesem Niveau ist Frankfurt noch nicht angekommen. Dennoch sollte sich der Traditionsklub an diesen Branchengrößen orientieren.
Die Eintracht hat in den letzten zehn Jahren so viele Fortschritte gemacht, dass es immer wieder zu kleineren oder größeren Rückschlägen kommen kann. Toppmöller muss ein Gespür für den Spagat entwickeln: Wann und wie viel Rotation ist nötig? Welche Ansprache hilft dem Team? Ist möglicherweise ein Einzelgespräch erforderlich?
Die Eintracht möchte auch in Zukunft solche Höhepunkte genießen. Dazu sind möglichst wenige Fehler in der Bundesliga notwendig. Die drei verlorenen Punkte gegen Union schmerzen angesichts der Ambitionen des Klubs. Andererseits gibt es früh in der Saison die Möglichkeit, an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Der Blick nach München und Dortmund kann dabei hilfreich sein.