Einzigartige Hochzeit zwischen Werder Bremen und HSV-Fans
Christine Friede-Schinzel und Peter Schinzel haben sich das Ja-Wort gegeben – nicht nur zueinander, sondern auch zu ihren jeweiligen Fußballvereinen. Ein Werder- und ein HSV-Fan feiern ihre Hochzeit.
Bad Segeberg – Der Leuchtturm Falshöft, ein bekanntes Postkartenmotiv und einst Kulisse für Vorabendserien, hat seit seiner Errichtung zwischen 1908 und 1909 einiges erlebt. Am vergangenen Wochenende kam eine weitere kuriose Geschichte hinzu: Christine Friede und Peter Schinzel gaben sich im rot-weiß gestreiften, 24 Meter hohen Turm das Ja-Wort und vereinten damit, was normalerweise nicht zusammenpasst: Werder Bremen und den Hamburger SV.
Die Eheringe des Paares mögen auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen. Sie sind aus Silber, breit und mit einer matt-gebürsteten Oberfläche versehen. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man das entscheidende Detail: Die Vereinswappen von Werder Bremen und HSV sind sorgfältig eingraviert und verschmelzen in der Mitte leicht miteinander. „Das sind einfach wir“, sagt Christine Friede, 42 Jahre alt, die seit der Hochzeit den Nachnamen Friede-Schinzel trägt und seit jeher HSV-Fan ist: „Mit allem, was dazu gehört.“ Dazu zählt auch eine gewisse Abneigung gegen die Farben Grün-Weiß, die in ihrem Haus in Bad Segeberg dennoch allgegenwärtig sind. „Es muss schließlich alles gerecht aufgeteilt sein“, erklärt ihr Mann Peter, 44 Jahre alt und leidenschaftlicher Werder-Fan. Im Treppenhaus hängen acht gerahmte Trikots mit Raute, vier von jeder Mannschaft, und im Garten wehen zwei Fahnenmasten in grün-weiß und blau-weiß-schwarz. Dies führt wahrscheinlich bei Fans beider Lager zur Frage: Wie konnte das nur passieren?
„Der Anfang war schon hart“, schmunzelt Christine, die Peter vor über 17 Jahren über das Internet kennengelernt hat. Zur zeitlichen Orientierung nennt sie nicht etwa das Jahr, sondern die Saison: „2008/09 war das.“ Fußballkenner wissen sofort, dass dies eine schwierige Zeit für den HSV war. Innerhalb von 19 Tagen trafen Werder Bremen und Hamburg im Frühjahr 2009 gleich viermal aufeinander – in UEFA-Cup, DFB-Pokal und Bundesliga – mit dem deutlich besseren Ende für Werder Bremen. Das frisch verliebte Paar sah sich somit gleich zu Beginn ihrer Beziehung einer harten Prüfung gegenüber. „Da hätte es auch schon wieder vorbei sein können“, scherzt Peter, der die Bremer Triumphe immer feierlich zelebriert, während Christine in einzelnen Fällen froh war, „dass uns im Stadion ein Zaun und eine nette Security-Dame voneinander getrennt haben“. Dennoch fanden die beiden immer wieder zusammen. Ihr Geheimnis: Sie machten die Leidenschaft für ihre Clubs und die große Rivalität Teil ihrer Beziehung.
„Wir leben das schon immer voll aus“, erklärt Christine. Im Stadion, im Alltag und im Wohnzimmer wird die Couch bei Nordderbys genau in der Mitte aufgeteilt, sodass jeder seine Hälfte mit Schals und Trikots dekorieren kann. Rücksichtnahme ist dabei wichtig. So wird auf dem Heimweg von Stadionbesuchen nach Nordderbys im Auto erst einmal nicht miteinander gesprochen, um keine unnötigen Emotionen zu schüren. Vor dem 112. Bundesligaduell zwischen Werder Bremen und dem HSV hat es bereits zu brodeln begonnen. „Wir müssen nach dem Hinspiel unbedingt noch etwas gutmachen“, sagt Peter. „Ach was, ich sehe uns wieder vorne“, entgegnet Christine. Was beide eint, ist die große Freude darüber, dass das Derby zurück in der Bundesliga ist – und die Hoffnung, dass es nach der laufenden Saison dort bleibt.
Im Leuchtturm Falshöft verzichtete das Paar am vergangenen Wochenende auf Fanutensilien und schritt in klassischer Hochzeitsmontur zum Altar. Die blau-grüne Torte war jedoch mit beiden Wappen verziert, und Trikots mit dem Hochzeitsdatum als Rückennummern hingen über den Sitzen ihres Autos, mit dem sie in die Flitterwochen fuhren. Die erste wichtige Station: das Bremer Weserstadion. Wenn dort am Samstag um 15:30 Uhr der Anpfiff ertönt, werden Christine Friede-Schinzel und Peter Schinzel ihre Mannschaften anfeuern – sie im Gästeblock, er in der Ostkurve. Ganz so, wie es sich gehört.