Erinnerung an Ernst Alexander: Schalke 04 und die Aufarbeitung der Vergangenheit
Der FC Schalke 04 spielte in den 1930er und frühen 1940er Jahren eine zentrale Rolle im deutschen Fußball, einer Zeit, die von den dunklen Ereignissen des Dritten Reichs geprägt war.
In Gelsenkirchen beschäftigt sich nun ein Angehöriger eines im KZ ermordeten ehemaligen Spielers des FC Schalke 04 intensiv mit dessen Schicksal. Alfred Brechner unterstützt die Spurensuche nach seinem Onkel Ernst Alexander, der deportiert wurde. Lange Zeit war Brechner nicht einmal bewusst, dass er einen Onkel hatte, da seine überlebende Mutter nie von ihren beiden Brüdern sprach, die sie im Holocaust verlor.
Brechner wurde auf das Schicksal seines Onkels aufmerksam, als er einen Stolperstein in Gelsenkirchen entdeckte, der sowohl den Namen seiner Mutter als auch den seiner Brüder trug. Diese Stolpersteine, die seit 1996 vom Künstler Gunter Demnig verlegt werden, erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus an ihren ehemaligen Wohnorten. Brechners Mutter, Johanna, überlebte den Holocaust, doch der Verlust ihrer Brüder blieb tief in ihrem Inneren verborgen.
Bei seinen Nachforschungen stellte Brechner schnell fest, dass Ernst Alexander ein talentierter Fußballer war, der in der Jugend des FC Schalke 04 spielte. Daraufhin nahm er Kontakt zu dem Verein auf und erhielt Unterstützung von Thomas Spiegel.
Gemeinsam fanden sie heraus, dass Ernst Alexander nach der Deportation seines Vaters ins KZ Sachsenhausen und dem Suizid seiner Mutter in die Niederlande flüchtete. Dort setzte er seine Fußballkarriere fort, wie aus einem Artikel einer Rotterdamer Zeitung hervorgeht. Doch als die Nazis die Niederlande besetzten, wurde auch er, wie sein Bruder, in einem KZ ermordet.
Brechner lobt die Zusammenarbeit mit Schalke 04, wo sein Anliegen auf offene Ohren stieß. Der Verein war der erste deutsche Fußballclub, der ein externes Gutachten zu seiner Rolle im Dritten Reich in Auftrag gab und die ernüchternden Ergebnisse öffentlich machte.
In der Folge wird an die damals verfolgten und oft gewaltsam getöteten Mitglieder des FC Schalke 04 auf der Tausend-Freunde-Mauer erinnert. Im Jahr 2020 benannte der Verein einen Weg rund um das Stadion nach Alfred Brechners Onkel, den „Ernst-Alexander-Weg“.
Ernst Alexander ist eines von dreizehn Opfern der Nationalsozialisten, deren Schicksal nach ihrem Ausschluss aus dem FC Schalke rekonstruiert werden konnte und die mit einer Gedenktafel geehrt werden. Brechner ist das große Engagement des FC Schalke in dieser Angelegenheit sehr wichtig. Für ihn ist dies „ein Stück Heimat“ und zugleich ein Aufruf an alle, sich für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit schalketotal.de/)