Felix Nmecha: Der Aufstieg eines WM-Stars und sein Glaube
Felix Nmecha beeindruckte beim Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft zur WM 2026 nicht nur durch seine sportliche Leistung.
In Houston erzielte Nmecha das erste Tor für Deutschland und holte den Strafstoß, der zu einem beruhigenden 3:1-Pausenstand führte. Seine Leistung gegen Curacao wurde von vielen gelobt. Aleksandar Pavlovic, sein Mitspieler im Mittelfeld, sagte: „Wir spielen Tiki Taka. Er versteht meinen Spielstil und ich verstehe seinen.“
Kai Havertz beschreibt Nmecha als „ein gutes Gesamtpaket – offensiv und defensiv, groß und am Ball überragend. Er hat einfach alles.“ Bundestrainer Julian Nagelsmann prognostiziert, dass Nmecha „uns viel Freude bereiten wird.“ Es könnte sich eine Turniergeschichte entwickeln: Ein Spieler, der zunächst unbemerkt blieb und nun unverzichtbar wird, ähnlich wie einst Miroslav Klose oder Thomas Müller, die ebenfalls als Entdeckungen der WM in Erinnerung bleiben.
Die Lebensgeschichte von Felix Nmecha ist ebenfalls bemerkenswert: Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Nigerianer, und die Familie wanderte als er sieben Jahre alt war nach England aus. Nmecha wurde bei Manchester City ausgebildet und spielte unter Pep Guardiola, bevor er sich für eine Karriere in Deutschland entschied, mit Stationen in Wolfsburg und Dortmund. Sein älterer Bruder Lukas war 2022 ein potenzieller WM-Kandidat, fiel jedoch oft verletzungsbedingt aus und spielt nun bei Leeds United.
Eine schöne Szene am Sonntag in Houston war, als Nmecha, Jonathan Tah und drei Spieler aus Curacao nach dem Spiel zusammenkamen und einen Kreis bildeten. Sie legten die Arme umeinander und zeigten damit, dass Sport Rivalitäten überwinden und Gemeinsamkeiten betonen kann. Der Handschlag am Ende gehört dazu.
Dieser Kreis war jedoch mehr als nur eine übliche freundliche Geste – es war offensichtlich geplant und sollte besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nmecha erklärte: „Im Spiel sind wir Gegner, aber danach sind wir alle Christen und Brüder. Wir haben gemeinsam ein kleines Gebet gesprochen und glauben, dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird.“
So wurde Nmecha in einem Kontext wahrgenommen, der über seine fußballerischen Fähigkeiten hinausgeht: als jemand, der seinen Glauben stark lebt. Er gibt selten Interviews, die über kurze Aussagen zu seinen Spielen hinausgehen, und sagt dann lediglich: „Der Trainer gibt mir Freiheiten, ob ich offensiv oder defensiv spiele.“ Mehr von dem 25-Jährigen ist oft in Bezug auf seinen Glauben zu hören.
Nmecha gehört zu den „Ballers in God“, einer Gemeinschaft von Fußballprofis, die in den Niederlanden und England aktiv ist. Diese Spieler treffen sich regelmäßig online zu Gebeten und Bibelstunden und werden ermutigt, in ihren Klubs missionarisch tätig zu sein. „Ballers in God“ hat eine große Reichweite und verkauft Produkte wie Schienbeinschützer mit Kruzifixen.
Er pflegt auch Kontakte zu „Fußball mit Vision“, einer von Manuel Bühler, einem ehemaligen Spieler des 1860 München, gegründeten Organisation, die Fußballcamps für Kinder anbietet und den Zugang zum Religionsunterricht an Schulen fördert. Die Glaubensrichtung ist evangelikal und legt die Bibel wörtlich aus, was zu einem konservativen Menschen- und Gesellschaftsbild führt und Feindseligkeit gegenüber Minderheiten, insbesondere Homosexuellen, erkennen lässt.
Als Nmecha vor zwei Jahren von Wolfsburg nach Dortmund wechselte, stießen einige BVB-Fans auf Widerstand gegen ihn. Trotz seiner herausragenden Leistungen ist er bei den Anhängern unbeliebt. Die Vereinsführung beobachtet seine Aktivitäten in sozialen Medien genau und hat ihn bereits gebeten, problematische Likes zu entfernen. Im Gegensatz dazu hat Jonathan Tah keine derartigen Kontroversen und ist bekannt dafür, seinen Glauben offen zu leben.
Als Nmecha am Sonntag im Stadion in Houston aus dem Mannschaftsbus stieg, hielt er eine Bibel in der Hand. Nach dem Spiel postete er auf Instagram: „Thank You Jesus.“ Der potenzielle kommende WM-Star Deutschlands bleibt jedoch schwer fassbar.