Grischa Prömel über die WM und Julian Nagelsmann
Grischa Prömel, der künftige Profi beim VfB Stuttgart, äußert sich in seiner Kolumne über die bevorstehende Weltmeisterschaft, Julian Nagelsmann und Oliver Baumann.
Winston Salem – Natürlich hatte ich den Wunsch, Teil der WM-Mannschaft zu sein. Als Julian Nagelsmann mich kurz vor der Kadernominierung anrief, war ich sehr aufgeregt. Leider musste ich erfahren, dass ich nicht im Kader stehen werde. Damit kann ich jedoch gut umgehen, da die Rückrunde mit Hoffenheim nicht so dominant war wie die Hinrunde.
Julian und ich haben an diesem Tag ausführlich telefoniert. Ich habe ihm gesagt, dass ich dem DFB maximalen Erfolg beim Turnier wünsche. Der Kader ist unglaublich stark und mit vielen Topspielern besetzt. Ich freue mich darauf, als Fan vor dem Fernseher dabei zu sein. Julian und ich kennen uns schon lange; er holte mich 2013 von den Stuttgarter Kickers zur U19 von Hoffenheim. Er hat eine entscheidende Rolle in meiner Karriere gespielt und hat mir damals mit seinen 26 Jahren die Augen geöffnet.
In seiner ersten Ansprache erklärte er, wie viele Spieler aus der U19 statistisch gesehen den Sprung in den Profifußball schaffen. Zu dieser Zeit waren es lediglich zwei Prozent. Er betonte, dass reines Talent nicht ausreicht; man muss hart arbeiten und investieren. Dieses Engagement hat er selbst vorgelebt. Das Feuer, das in ihm brennt, ist bis heute ungebrochen.
Häufig mussten sogar unsere Trainingseinheiten abgebrochen werden, weil es so intensiv zuging. Wenn das der Maßstab ist, kann man sich vorstellen, wie motiviert die Spieler im Spiel sind, wenn es darauf ankommt. Wir haben oft unsere Gegner dominiert.
Julian Weg habe ich seit unserer gemeinsamen Zeit intensiv verfolgt. Wir stehen im ständigen Austausch, auch heute noch. Im Vereinsfußball war er überall erfolgreich. Die Kritik, die er als Bundestrainer erhält, ist mir nicht entgangen. Doch ich kenne ihn gut und weiß, dass er immer einen konkreten Plan hat. Ich vertraue ihm. Auch die deutschen Fans sollten ihm Vertrauen schenken. Bei der EM 2024 war der Erfolg doch recht deutlich – warum sollte es diesmal anders sein?
Die Situation mit Oliver Baumann hat für Diskussionen gesorgt. Oli ist ein hervorragender Torwart und ein außergewöhnlicher Charakter. Es spricht für ihn, wie er mit der Enttäuschung umgeht, nun nicht mehr die Nummer eins im DFB-Tor zu sein. Sein Einsatz für die Mannschaft ist bemerkenswert. Er hat betont, dass er immer bereit sein muss. Ich bin mir sicher, dass er, wenn er die Chance bekommt, auch überzeugen wird.
Egal ob mit Oli oder Manuel Neuer im Tor: Wenn wir am Sonntag gegen Curacao ins Turnier starten, gehe ich mit der festen Überzeugung hinein, dass wir gewinnen werden. Julian wird keinen Gegner unterschätzen. Ich erinnere mich noch gut an ein Spiel gegen 1860 München in der U19, als Hoffenheim das Aushängeschild im Nachwuchsfußball war. Julian sagte uns, dass jeder von 60 gerne bei uns spielen würde. Das muss man auch auf dem Platz zeigen.
Es darf nicht sein, dass uns qualitativ unterlegene Mannschaften in Bezug auf Laufleistung und Einstellung überlegen sind. So wird er auch das DFB-Team gegen Curacao motivieren. Ich hoffe, dass Julian und die Mannschaft uns eine großartige WM bescheren. Ich glaube fest daran, denn die Mannschaft ist in sehr guten Händen.