Jörn Wolf und Manu Thiele diskutieren über die Zukunft des deutschen Fußballs in "Die WM-WG"
In der 21. Folge von "Die WM-WG" waren der Sportjournalist Jörn Wolf und der Trainer-Experte Manu Thiele zu Gast. Sie erörterten unter anderem die Nachfolge von Julian Nagelsmann als Bundestrainer.
München – In der neuesten Ausgabe der "WM-WG" von Absolut Fussball (powered by IPPEN.MEDIA) teilten Wolf und Thiele ihre klaren Meinungen und überraschenden Einschätzungen zur Stimmung in den USA sowie zu den Folgen des WM-Aus des DFB-Teams. Ein zentrales Thema war die Zukunft des Bundestrainers.
Zur Atmosphäre bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika bemerkte Wolf: "Es war schön und ein ganz anderes Erlebnis. Wer eine lebendige Fußballkultur erwartet, wird enttäuscht. In Toronto war wenig los. Die Stimmung hängt stark von den Fans anderer Nationen ab, während die Einheimischen aus Kanada und den USA nicht besonders interessiert schienen."
Thiele äußerte sich zur "verlorenen Generation" im deutschen Fußball: "Wir müssen ganz oben anfangen, beim Kapitän Joshua Kimmich, der sich wenigstens entschuldigt hat. Ich schütze ihn, da er das Potenzial, das er bei der Euro zeigte, nicht abrufen konnte. Es wird notwendig sein, ein neues Gerüst aus Stammspielern zu schaffen. Selbst Leroy Sané war bei dieser WM nur dritte Wahl und hätte unter normalen Umständen nicht gespielt. Wir müssen uns fragen: Welche jungen Talente können wir fördern? Wer wird in zwei Jahren bei der Euro auf höchstem Niveau spielen?"
Zur Zukunft von Julian Nagelsmann sagte Thiele: "Ich war lange ein Befürworter von Nagelsmann, weil er frischen Wind brachte. Doch die Stimmung hat sich gewandelt. Das Grundproblem liegt darin, dass er kein Menschenfänger ist. Als Bundestrainer benötigt man jemanden, der das Land vereint und zeigt, dass wir alle eine Nation sind. Nagelsmann geht eher seinen eigenen Weg."
Wolf fügte hinzu, was Nagelsmann ändern müsste: "Das Hauptproblem ist, dass Nagelsmann sich nicht ändern wird. Wir können theoretisch darüber sprechen, dass er wieder der taktische Nagelsmann werden muss, der während der Euro einen neuen Impuls setzen konnte. Das hat diesmal gefehlt. Er muss in der Menschenführung besser werden und klarer mit den Spielern kommunizieren, anstatt starr auf seiner Meinung zu beharren."
Bezüglich eines möglichen Nachfolgers für Nagelsmann äußerte Thiele: "Jürgen Klopp ist ein Menschenfänger und wäre eine interessante Lösung. Er hat während der WM bereits als eine Art Schattentrainer agiert, was zeigt, dass er grundsätzlich Interesse hat."
Thiele sprach auch über notwendige Veränderungen nach dem WM-Aus: "Die Vorstellung, dass es in dieser Konstellation weitergeht, fällt jedem schwer. Ein Wechsel ist dringend nötig."
Zu Klopp als möglichem Nachfolger sagte er: "Die Frage ist, ob er verfügbar ist, da er bei Red Bull unter Vertrag steht."
Über Roger Schmidt als Nagelsmann-Nachfolger bemerkte Thiele: "Roger ist Berater der japanischen J-League und hat entschieden, seine Trainerkarriere vorerst ruhen zu lassen. Er trifft solche Entscheidungen nicht leichtfertig, sondern wohlüberlegt. Daher bin ich mir nicht sicher, ob er für den Ruf des Landes empfänglich wäre."
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