Jürgen Klopp als potenzieller neuer Bundestrainer für Deutschland
Es deutet alles darauf hin, dass Jürgen Klopp der nächste Nationaltrainer von Deutschland wird. Der frühere Europameister Christian Ziege hält diese Entscheidung für richtig.
In Frankfurt wartet die Fußballgemeinschaft Deutschlands gespannt auf die Ernennung von Jürgen Klopp als neuen Bundestrainer. DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Ligaboss Hans-Joachim Watzke planen, in dieser Woche in New York entscheidende Gespräche zu führen. Idealerweise wird auch die Ablösefrage mit dem RB-Kosmos zeitnah geklärt. Wenn am 24. September die Nations League mit dem Spiel in den Niederlanden beginnt, sollte Klopp das Ruder als Bundestrainer in der Hand halten.
Christian Ziege hat in seiner Profikarriere die Anfänge des Erfolgstrainers beim FSV Mainz 05 miterlebt. Von 2004 bis 2006 spielte der Europameister für Borussia Mönchengladbach, wo er am 6. November 2004 im alten Bruchweg-Stadion gegen Mainz auf dem Platz stand, während Klopp als aufstrebender Trainer an der Seitenlinie agierte.
22 Jahre später scheint der nächste große Karriereschritt für den 59-Jährigen bevorzustehen. In einem exklusiven Gespräch mit Absolut Fussball äußerte Ziege: „Ich glaube, fast alle sind sich einig, dass er die richtige Wahl wäre und genau der richtige Mann ist, um Deutschland wieder auf Kurs zu bringen.“ Die Herangehensweise als Bundestrainer unterscheidet sich grundlegend von der als Vereinscoach.
Ziege erklärte: „Natürlich unterscheidet sich die Arbeit als Nationaltrainer grundlegend vom Vereinsfußball. Im Verein arbeitet man täglich mit den Spielern und hat viel Zeit, ihnen die gewünschte Spielweise zu vermitteln. Das hat man sowohl beim FC Liverpool als auch zuvor bei Borussia Dortmund gesehen.“ Bei beiden Klubs benötigte Klopp eine gewisse Zeit, um seine Philosophie erfolgreich umzusetzen.
Als Nationaltrainer hat man inzwischen auch die Möglichkeit, mehr Einfluss auszuüben. Klopp wird das Team von Mitte September bis Anfang Oktober zusammen haben und vier Spieltage in der Nations League bestreiten: „Natürlich ist das immer noch nicht mit einem Verein vergleichbar, aber es reicht aus, um eigene Ideen umzusetzen. Ich bin überzeugt, dass Klopp genau der richtige Mann ist, um etwas zu verändern.“
Doch was fehlt dem DFB-Team? An welchen Stellschrauben muss Klopp drehen? Ziege sieht eine grundsätzlich starke Mannschaft mit herausragenden Spielern. „Was uns manchmal fehlt, ist Aggressivität. Wir sind nicht konsequent genug im Defensivverhalten. In bestimmten Situationen müssen wir auf dem Platz einfach unangenehmer sein“, so der frühere Profi.
Geschlossenheit ist ein Schlüsselbegriff für ihn: „Wenn man sich beispielsweise Paraguay gegen uns oder gegen Frankreich anschaut, dann kämpfen sie um jeden einzelnen Ball. Vielleicht verfügen sie nicht über dieselbe individuelle Qualität, bringen aber enorm viel Leidenschaft mit. Sie haben Deutschland alles abverlangt und auch Frankreich vor große Probleme gestellt.“
Christian Ziege macht keinen Hehl daraus, was ihm fehlt: „Genau das benötigen wir ebenfalls: mehr Aggressivität gegen den Ball, mehr Stärke in Eins-gegen-eins-Duellen, mehr gewonnene Zweikämpfe und ein schnelleres Gegenpressing nach Ballverlust. Oft sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen. Und genau deshalb glaube ich, dass Jürgen Klopp der richtige Trainer wäre.“
Der ehemalige Bundestrainer Julian Nagelsmann hat stets versucht, seine besten Spieler auf den Platz zu bringen. Er wollte auf die individuelle Klasse von Florian Wirtz, Kai Havertz und Jamal Musiala setzen. Davor warnt Ziege: „Ich möchte lediglich erklären, dass man Florian Wirtz und Jamal Musiala nicht zwangsläufig immer gemeinsam aufstellen kann, da dadurch bestimmte Laufwege und Bewegungen im Angriff fehlen können.“
Musiala und Wirtz sind zwei kreative Spieler, die gut kombinieren und Chancen kreieren. Der Sechzehnmeterraum ist jedoch nicht ihr natürlicher Aufenthaltsort. Ziege analysierte: „Deshalb benötigt man zusätzlich zwei oder drei Spieler, die dynamisch aus den Halbräumen, von außen oder aus dem Mittelfeld in den Strafraum einlaufen. Ich glaube, Klopp versteht diese Zusammenhänge sehr gut und wird die Mannschaft entsprechend richtig zusammenstellen.“
Die Botschaft des Europameisters ist klar: Klopp kann es – vorausgesetzt, er zieht die richtigen Lehren aus dem Paraguay-Debakel.