Katia Garcia: Erste mexikanische Schiedsrichterin bei einer Männer-WM
Katia Garcia hat als erste mexikanische Schiedsrichterin ein WM-Spiel der Männer geleitet, trotz Morddrohungen und jahrelanger Anfeindungen.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag pfiff die 33-Jährige in Kansas City die Partie der Gruppe F zwischen Tunesien und den Niederlanden. Damit ist Garcia die erste mexikanische Schiedsrichterin, die bei einer Männer-Weltmeisterschaft zum Einsatz kommt.
Ihr Weg an die Spitze war jedoch von massiven Anfeindungen begleitet, sowohl durch die Medien als auch über soziale Netzwerke. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen am 25. November einige der Hassnachrichten veröffentlicht, die sie im Laufe ihrer Karriere erhalten hatte.
Diese oft sexistischen Nachrichten lauteten unter anderem: „Du solltest aufhören, dich in Sportarten einzumischen, die den Männern gehören. Wir haben die erzwungene Inklusion satt. Geh zurück in die Küche“ oder „Wenn du mit Kritik nicht klarkommst, dann hör auf! Fußball ist nur etwas für Männer!“ Auch die Frage „Mit wem hast du geschlafen, um professionelle Schiedsrichterin zu werden?“ wurde ihr gestellt.
Besonders erschreckend war eine Morddrohung, die sie im vergangenen Jahr erhielt: „Du wirst sterben“ und „Wir werden deine gesamte Familie töten“. Garcia bemerkte auf Instagram: „In einem Land, in dem täglich zehn Frauen ermordet werden und 91 Menschen umkommen, dürfen wir Gewalt nicht normalisieren. Ich lehne Gewalt in allen Bereichen entschieden ab!“
Der mexikanische Fußballverband (FMF) erklärte, dass er bei der Einreichung einer formellen Beschwerde behilflich sein werde. Auch FIFA-Präsident Gianni Infantino verurteilte die Anfeindungen: „Ohne Schiedsrichter gibt es keinen Fußball, daher müssen wir sie schützen und ihre Rolle in unserem Sport respektieren. Im Fußball und in der Gesellschaft gibt es keinen Platz für Missbrauch, Diskriminierung oder Gewalt jeglicher Art“, sagte er.
„Bei der FIFA stehen wir solidarisch hinter der Federación Mexicana de Fútbol und der Concacaf und verurteilen das Verhalten derjenigen, die diese inakzeptablen Drohungen aussprechen. Wir bieten unsere uneingeschränkte Unterstützung an, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden“, fügte Infantino hinzu.
Trotz der Anfeindungen ist Garcias WM-Debüt nicht nur der Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere, sondern auch ein starkes Zeichen gegen Diskriminierung und Frauenhass im Fußball. Die Begegnung zwischen den Niederlanden und Tunesien endete mit einem souveränen 3:1-Sieg für Oranje und einer tadellosen Leistung von Schiedsrichterin Garcia sowie den Linienrichtern Sandra Ramirez und Jose Enrique Naranjo Perez.