Lothar Matthäus fordert Neuanfang nach WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft

Lothar Matthäus fordert Neuanfang nach WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft

München – Nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft hat DFB-Legende Lothar Matthäus deutlich Stellung bezogen. Der Rekordnationalspieler sieht im Scheitern der Mannschaft unter Trainer Julian Nagelsmann nicht nur sportliche Probleme, sondern macht auch das Umfeld der Mannschaft mitverantwortlich. Matthäus glaubt, dass es für Nagelsmann als Bundestrainer derzeit keine Zukunft gibt.

„Im jetzigen Moment“ fehle ihm „die Fantasie“, wie es mit Nagelsmann weitergehen könne, erklärte Matthäus im Gespräch mit der Bild. Für ihn ist die Konsequenz klar: „Es muss nach dieser Weltmeisterschaft mit einem neuen Trainer weitergehen. Das war einfach zu viel.“ Damit spricht sich der 64-Jährige klar gegen eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Bundestrainer aus.

Als wesentlichen Grund für das enttäuschende Abschneiden nennt Matthäus die zahlreichen Nebengeräusche während des Turniers. „Es waren viele Schlagzeilen in der Zeitung, das kenne ich von 1994“, sagte er und zog Parallelen zur WM in den USA, als Deutschland bereits im Viertelfinale überraschend gegen Bulgarien ausschied. Schon damals hätten Themen abseits des Platzes den Fokus auf das Sportliche erschwert.

Besonders kritisch bewertet Matthäus den Umgang mit den Familien der Nationalspieler. „Ich weiß nicht, warum man die ganzen Familien von Anfang an dabei haben muss nach jedem Spiel“, sagte er. Stattdessen sei innerhalb der Mannschaft wohl über Reisemöglichkeiten und Hotelbuchungen diskutiert worden.

„Das war doch alles Thema in der Mannschaft, dass der eine sauer war auf den anderen.“ Die unterschiedlichen Regelungen hätten für zusätzlichen Unmut gesorgt. „Beim einen durfte die Mama mitfliegen, beim anderen die Frau oder die Kinder – und die anderen mussten mit der Linienmaschine fliegen.“ Matthäus schlägt vor, dass Angehörige erst „nach dem Viertelfinale, wenn die Mannschaft etwas geleistet hat“, zum Team stoßen sollten.

Für den ehemaligen Weltfußballer war die fehlende Konzentration auf das Wesentliche ein entscheidender Faktor. Es habe „viel Unruhe“ gegeben und „viele Themen, die vielleicht wichtiger waren als das auf dem Fußballplatz“. Nach dem Aus gegen Paraguay sieht Matthäus deshalb nicht nur die sportliche Leistung kritisch, sondern fordert auch personelle Konsequenzen auf der Trainerbank. Diese Meinung dürften viele Deutsche so kurz nach dem bitteren WM-Aus teilen.

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