Marcelo Bielsa kritisiert WM-Trinkpausen als Marketingstrategie
Uruguays Nationaltrainer Marcelo Bielsa hat vor dem bevorstehenden Duell gegen Kap Verde scharfe Kritik an den neuen dreiminütigen Trinkpausen während der Weltmeisterschaft geübt. Der 70-jährige Argentinier sieht in dieser Regelung einen drastischen "Kulturwandel" im Fußball und vermutet, dass hinter den Unterbrechungen vor allem wirtschaftliche Interessen der FIFA und der Fernsehsender stehen.
Die Einführung der Trinkpausen sollte ursprünglich dazu dienen, die physische Belastung der Spieler bei hohen Temperaturen zu verringern. In jeder Halbzeit steht den Teams eine dreiminütige Unterbrechung zu. In der Praxis sorgt dieses Modell jedoch für zunehmenden Unmut, da Kritiker anmerken, dass der ursprüngliche Zweck – der Gesundheitsschutz der Akteure – mittlerweile in den Hintergrund gerückt ist.
Stattdessen verwandeln sich die Pausen im Fernsehen in lukrative Werbeblöcke und auf dem Spielfeld in zusätzliche Timeout-Zonen für taktische Anweisungen der Trainer. Marcelo Bielsa äußerte sich dazu deutlich: „Sie bringen nichts und nehmen dem Fußball viel weg“, zitiert die französische Sportzeitung L'Équipe den Taktikexperten.
Für den Fußball-Romantiker Bielsa geht durch die Zwangspausen ein Stück Seele des Spiels verloren. „Ich möchte nur sagen, dass der Fußball vor dieser Entscheidung einen bestimmten Charakter hatte, jetzt hat er einen anderen“, erklärt er und spricht offen von einem unschönen "Kulturwandel", der den Spielfluss stört. Die Zahlen der Fernsehsender bestätigen seine Vorwürfe.
Das britische Netzwerk ITV erwartet durch die zusätzlichen Werbeslots die kommerziell erfolgreichste Fußballübertragung in seiner Geschichte. In Australien haben die dreiminütigen Trinkpausen sogar bereits einen eigenen Namenssponsor und werden als „Maccas Match Break“ – finanziert von der Fast-Food-Kette McDonald‘s – übertragen.
Während die Fernsehsender und die FIFA Rekordeinnahmen feiern, bleibt auf dem Platz ein fader Beigeschmack. Bielsa und Uruguay sind sich sicher, dass der Sport im engen WM-Takt immer mehr zur Nebensache verkommt. Ob seine Spieler die ungeliebten Pausen beim mitternächtlichen Gruppenphasen-Match gegen Kap Verde für den nächsten sportlichen Schritt nutzen können, wird sich zeigen.