Neymar Jr. zur WM: Diskussionen um die Nominierung
Die brasilianische Nationalmannschaft reist mit Rekordtorschütze Neymar Jr. zur Weltmeisterschaft in Nordamerika, eine Entscheidung, die nicht unumstritten ist.
In Deutschland sorgte die Rückkehr von Manuel Neuer ins DFB-Tor für die meisten Diskussionen während der Kaderverkündung, während in Brasilien die Nominierung von Superstar Neymar Jr. ebenfalls intensiv debattiert wird. Der Rekordtorschütze der Seleção spielte zuletzt im Herbst 2023 für sein Land, und seine Verletzungshistorie gibt Anlass zur Sorge.
Auch Bayern-Legende Giovane Élber äußert Bedenken hinsichtlich der Entscheidung von Brasilien-Coach Carlo Ancelotti, Neymar nach Nordamerika mitzunehmen: „Es tut mir leid, ich hätte ihn nicht nominiert. Vielleicht überrascht Neymar mich und spielt so gut wie vor einigen Jahren. Aber daran glaube ich nicht“, sagte er gegenüber der Sport Bild und fügte hinzu: „Neymar war einmal ein Weltklasse-Fußballer, heute ist er nur noch eine Marketing-Maschine.“
Élber spielte zwischen 1997 und 2003 für den deutschen Rekordmeister Bayern München und gewann unter anderem 2001 die Champions League. In 266 Einsätzen erzielte er 139 Tore und gab 56 Vorlagen, bevor er auch Nationalspieler wurde und 15 Mal für die Seleção auflief. Neymar hingegen hat bereits 128 Spiele für Brasilien bestritten, dabei 79 Tore erzielt und 59 Vorlagen gegeben.
Trotzdem hinterfragt Élber die sportliche Grundlage für Neymars Nominierung im Jahr 2026: „Eine große Mehrheit forderte die Nominierung von Neymar. Selbst der Staatspräsident sprach sich öffentlich für ihn aus. Der Druck auf Ancelotti wurde immer größer, weshalb er keine andere Wahl hatte.“
Für den 53-Jährigen hat Neymar, der mehrfach als Dritter bei der Wahl zum Weltfußballer hinter Lionel Messi und Cristiano Ronaldo scheiterte, seine Karriere bereits vor neun Jahren gefährdet: „Alles begann mit seinem Wechsel vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain 2017. Das war ein großer Fehler. Ich kenne die französische Liga aus meiner Zeit bei Olympique Lyon, sie ist sportlich zu schwach. Seitdem ging es mit ihm als Fußballer bergab.“
Der spätere Wechsel im Sommer 2023 sei dann „nicht mehr als ein bezahlter Urlaub für Neymar“ gewesen. Vor anderthalb Jahren kehrte er jedoch zu seinem Jugendklub, dem FC Santos, zurück, war dort aber „oft verletzt“ und hatte „lange keinen Spielrhythmus“, so Élber. Aktuell fällt der 34-Jährige aufgrund einer Wadenverletzung aus und verpasste somit die letzten Testspiele Brasiliens vor dem WM-Auftakt.
„Wie soll das nun bei der WM funktionieren? Aus meiner Sicht müssen die besten Spieler fit zur WM kommen“, erklärt Élber. „Für Neymar ließ Ancelotti Pedro vom FC Chelsea zu Hause, der eine gute Saison spielte. Das war nicht fair.“ João Pedro erzielte in seiner ersten Saison bei den Londonern in 50 Einsätzen 20 Tore und gab neun Vorlagen, während Neymar in seinen 15 Auftritten nur sechs Tore und vier Vorlagen beisteuerte. Dennoch hofft Brasilien auf eine Rückkehr ihres einstigen Aushängeschildes.