Nico Schlotterbeck: Zukunft bei Borussia Dortmund ungewiss
Nico Schlotterbeck wird mit Borussia Dortmund auch im Jahr 2026 keinen Titel gewinnen. Diese Aussage von Lars Pollmann fordert, dass der Spieler endlich Farbe bekennt.
Dortmund – Ein Moment der Unordnung hat Borussia Dortmund die einzige realistische Titelchance der Saison gekostet. Schlotterbeck war maßgeblich daran beteiligt. Im Spiel gegen Bayer Leverkusen setzte er die Anweisung von Trainer Niko Kovač, „durchzuhalten“, mit großem Eifer um, folgte seinem Gegenspieler bis tief in dessen Hälfte und attackierte sogar Torwart Mark Flekken.
Die Werkself konnte sich aus dieser Drucksituation befreien, und Alejandro Grimaldo bekam keinen Druck zu spüren, bevor er auf Ibrahim Maza spielte. Dieser hatte im BVB-Strafraum zunächst Glück, zeigte dann jedoch viel Können, als er den Ball ins lange Eck schlenzte. Kovač machte seinem Abwehrchef keinen Vorwurf, da Dortmund genügend Spieler hinter dem Ball hatte und ausreichend Möglichkeiten, das Tor zu verhindern.
Dennoch fügte sich diese Szene in den Gesamteindruck ein, der bei Schlotterbeck in den letzten zwei bis drei Partien nicht mehr so durchweg positiv war wie in den Wochen zuvor. Nach monatelanger Rehabilitation hatte der Linksfuß ein beeindruckendes Comeback hingelegt und war im DFB-Team zu einem der großen Hoffnungsträger für die WM aufgestiegen.
Schlotterbeck, der sich in jeden Zweikampf wirft, als gäbe es kein Morgen, hat seit seinem Comeback im Heimspiel gegen Wolfsburg im September kaum Pausen erhalten. Es ist bekannt, dass Spieler nach längeren Verletzungen oft stark zurückkehren, aber mit einer gewissen Verzögerung in ein kleines Formtief fallen. Dennoch stellen viele Fans diesen Zusammenhang nicht her.
Stattdessen wird spekuliert, ob die anhaltende Unsicherheit bezüglich seiner Vertragslage bei dem Abwehrchef zu einer geringeren Konzentration auf das Wesentliche führt. Die Fakten sind klar: Schlotterbeck hat einen Vertrag bis 2027. Dortmund würde gerne verlängern, doch der am Montag 26 Jahre alt gewordene Spieler zögert.
Obwohl die Verträge einiger umstrittener Spieler wie Julian Brandt, Emre Can und Niklas Süle am Saisonende auslaufen und der BVB sich wieder inmitten einer anstrengenden englischen Woche befindet, beschäftigt die Schlotterbeck-Frage die Menschen in der Ruhr-Metropole besonders.
Ein möglicher Abschied des designierten nächsten Kapitäns, möglicherweise gar zum FC Bayern, würde die BVB-Fans tief treffen, ähnlich wie die Abgänge von Mario Götze oder Mats Hummels. Dies steht im Gegensatz zu den Wunderkindern wie Jude Bellingham oder Erling Haaland, die Dortmund bereits bei ihrer Vertragsunterschrift als reine Durchgangsstation auf dem Weg zum Weltstar betrachteten.
Ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen der unklaren Zukunft und der jüngsten kleinen Leistungsdelle bei Schlotterbeck besteht, ist letztlich nicht entscheidend. Dass überhaupt solche Gedanken aufkommen, spricht für sich. Dies könnte zu „den üblichen Reflexen der Branche“ gehören, wie es das Fachmagazin kicker formuliert. In jedem Fall ist es nicht hilfreich.
Was stattdessen hilfreich wäre? Wenn Schlotterbeck eine klare Position bezieht – in die eine oder andere Richtung. Der Verteidiger wird kaum das Ergebnis eines DFB-Pokal-Achtelfinales gegen Leverkusen als Entscheidungshilfe benötigt haben. Er weiß, dass es mit Borussia Dortmund schwierig ist, Titel zu gewinnen. Er ist sich jedoch auch bewusst, dass Titel mit Borussia Dortmund „mehr wert“ sein können.
Das hat Mats Hummels einmal gesagt – der selbst zu Bayern wechselte, jedoch auch noch „unfinished Business“ bei seinem Jugendklub hatte. Zudem kennt Schlotterbeck seinen Marktwert. Ein Wechsel könnte ihm wahrscheinlich einen noch größeren finanziellen Sprung ermöglichen als bei Dortmund, das bereit ist, für seinen Publikumsliebling bis an die Grenzen des Machbaren zu gehen.
Es ist klar, dass alle Planungen beim BVB davon abhängen, was mit Schlotterbeck geschieht. Im Idealfall verlängert er, im schlimmsten Fall lässt er seinen Vertrag auslaufen und geht 2027 ablösefrei. Derzeit würden viele Beobachter auf einen Mittelweg tippen: dass Schlotterbeck im Sommer verkauft wird.
Die Vorstellung, dass die Verlängerung ein Selbstläufer sein wird, weil sich der Spieler so stark mit dem BVB identifiziert, kann getrost ad acta gelegt werden. So oder so, bevor eine klare Aussage vom Abwehrstar kommt, befindet sich sein Klub im Schwebezustand. Diese Hängepartie kann nur einer beenden: Nico Schlotterbeck selbst. Dies würde ihm auch in Anbetracht des WM-Jahres gut tun.