Oliver Bierhoff zieht Bilanz nach DFB-Rücktritt
Oliver Bierhoff war 18 Jahre lang als Funktionär beim DFB tätig und sah sich während dieser Zeit immer wieder kritischen Stimmen gegenüber. Nun, drei Jahre nach seinem Rücktritt, reflektiert er über seine Zeit im deutschen Fußball.
Nach dem zweiten Vorrunden-Ausscheiden bei einer Weltmeisterschaft gab Bierhoff im Dezember 2022 seinen Rücktritt bekannt. Er geriet in die Kritik, da es ihm und dem DFB trotz intensiver Vermarktung nicht gelang, sportlichen Erfolg zu erzielen. „Ich gehe nicht ohne die nötige Selbstkritik“, erklärte er zu seinem Ausscheiden.
Bierhoff betont, dass niemand mehr bedauere, was geschehen ist, als er selbst: „Dafür übernehme ich die Verantwortung.“ In seiner Funktion als Teammanager, später als Direktor für Profifußball und Entwicklung sowie Geschäftsführer des DFB, hat er viel erlebt. Rückblickend zeigt sich der 57-Jährige jedoch nicht negativ gestimmt und überrascht damit einige Kritiker.
„Wenn eine Mannschaft kommerziell denken muss, dann die Nationalmannschaft“, so Bierhoff im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. „Denn 80 Prozent des Einkommens fließen in die Basisarbeit und nicht in die Spielergehälter.“ Er bezeichnet die „demonstrative Ablehnung von Kommerz“ als „verlogen“ und fügt hinzu: „Wir sind mitten im Kommerz. Fernsehrechte und Werbeverträge sind ein Milliardengeschäft.“
Bierhoff stellt fest, dass die Kritik am DFB und an ihm selbst erst aufkam, als die Mannschaft nicht mehr erfolgreich war. „2014 haben wir viel mehr Werbung gemacht als 2018. Damals hat sich niemand beschwert, vier Jahre später war angeblich alles zu viel.“ Die Einführung des Brandings „Die Mannschaft“ stieß auf Unmut, doch Bierhoff verteidigt sich: „Das ist völlig überzogen.“
Bei der WM 2022 in Katar schied die Nationalmannschaft, nachdem der Name abgeschafft wurde, erneut in der Gruppenphase aus, genau wie vier Jahre zuvor in Russland. Bei seinem Abschied vom DFB bezeichnete das Handelsblatt Bierhoff als „den Mann, der den Fußball verkauft hat“.
Bierhoff kontert: „Ganz im Ernst, ich bin stolz auf die Bilanz. Als ich anfing, hatten wir einen Umsatz von 100 Millionen Euro. Am Ende waren es 430 Millionen Euro. Und wir wurden Weltmeister und Confed-Cup-Sieger.“ Es sei nicht so schlecht gewesen, wie oft dargestellt, was sich auch daran zeige, dass viele Clubs anfragten, ob er nicht bei ihnen arbeiten wolle.
Heute ist Bierhoff als Business Advisor bei den New England Patriots tätig, wo er das American-Football-Team beim Ausbau seiner Aktivitäten im deutschsprachigen Raum unterstützt. Zudem hat er ein neues Unternehmen gegründet, das sich auf Investitionen im Sportbereich konzentriert und wohlhabende Sportler berät.