Oscar Fraulo: Ein Comeback für Borussia Mönchengladbach
Unverhofft kommt oft – dieses Sprichwort könnte auf einen Spieler von Borussia Mönchengladbach zutreffen, der fast in Vergessenheit geraten ist.
Mönchengladbach – Die Einwechslungen in der Schlussphase des Pokalspiels von Borussia Mönchengladbach gegen Atlas Delmenhorst waren ein doppelter Fingerzeig. Einerseits machte Gerardo Seoane seinem ehemaligen Vizekapitän Julian Weigl deutlich, wie groß der Konkurrenzkampf im Mittelfeld ist. Andererseits eröffnete sich für einen Rückkehrer erstmals eine Chance.
Die Rede ist von Oscar Fraulo, der in Gladbach beinahe in Vergessenheit geraten ist. Der dänische Mittelfeldspieler war im Transfersommer 2022 der erste Neuzugang unter der Leitung von Sport-Geschäftsführer Roland Virkus. Borussia zahlte eine Ablösesumme von über zwei Millionen Euro an den FC Midtjylland, verbunden mit der Hoffnung, einen vielversprechenden Spieler für den Borussia-Weg zu verpflichten.
Nur wenige Tage später verpflichtete Gladbach Ko Itakura für fünf Millionen Euro von Manchester City. Am 8. August 2025 wurde dessen Weiterverkauf zu Ajax Amsterdam offiziell, wobei Borussia 10,5 Millionen Euro plus Boni erhält. Dieser Transfer hat sich als äußerst profitabel erwiesen – über Fraulo konnte man bisher nur bedingt sagen, dass sich die Investition gelohnt hat.
Der junge Däne benötigte nach seiner Ankunft am Niederrhein Zeit und sammelte überwiegend Spielpraxis bei der U23 in der Regionalliga West. Unter Daniel Farke kam er in der Saison 2022/23 nur zu zwei Kurzeinsätzen in der Bundesliga, und nach dem Trainerwechsel zu Gerardo Seoane fand er keinen Platz mehr im Kader. Sein Weg führte ihn zum FC Utrecht, wo er zwei Jahre in Folge ausgeliehen wurde.
Die Einwechslung von Fraulo beim 3:2-Erfolg gegen Delmenhorst in der Nachspielzeit für Kevin Stöger war ein erster Hinweis darauf, dass die Leihe in die Niederlande erfolgreich war. Sport-Geschäftsführer Roland Virkus ist ein Befürworter solcher temporären Transfers und bezeichnet sie im Interview auf der Vereinswebsite als „Entwicklungs-Beschleuniger“.
„Damit haben wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht, die besten sicherlich bei Rocco Reitz und Moritz Nicolas“, erinnert sich Virkus an den späteren Durchbruch des heutigen Stamm-Duos, das unterschiedliche Wege gegangen ist. Reitz wurde bei VV St. Truiden abgehärtet, während Nicolas an Union Berlin, den VfL Osnabrück, Viktoria Köln und Roda Kerkrade verliehen wurde.
In Utrecht war Fraulo gesetzt. Über zwei Saisons hinweg sammelte er 64 Pflichtspieleinsätze, in denen er sechs Tore erzielte und sieben Treffer vorbereitete. „Ihm hat die Zeit […] sichtlich gutgetan“, freut sich Virkus: „Er hat eine starke Vorbereitung gespielt und nicht umsonst am Wochenende erste Einsatzminuten gesammelt. Er ist ein spannender Spieler.“
Das Pokalwochenende hat deutlich gemacht, auf welcher Position Fraulo in Gladbach den nächsten Schritt gehen könnte. Auf der vollbesetzten Doppelsechs wird es für ihn schwer, realistischer erscheinen Einsätze auf der Zehner-Position. Nach dem Abgang von Alassane Pléa klafft dort eine Lücke, die der Däne im Verbund mit Stöger und Shuto Machino schließen könnte.
Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Gladbach im offensiven Mittelfeld nicht mehr aktiv wird. Die Bemühungen um eine Ausleihe von Paul Wanner waren vergebens, da das Offensiv-Talent des FC Bayern zur PSV Eindhoven wechseln wird. Transfer-Experte Gianluca Di Marzio bringt Borussia nun mit Giovanni Reyna von Borussia Dortmund in Verbindung, der auch von Parma Calcio umworben wird.
Es ist noch nicht sicher, dass Fraulos Zukunft in Gladbach liegt. Sollte sich jedoch eine Konstellation ergeben, in der Borussia entweder auf anderen Positionen Neuverpflichtungen anstrebt oder gänzlich auf Transfers verzichtet, hätte der Leihrückkehrer mindestens bis zum Winter die Gelegenheit, sein Können zu zeigen.
Die Beispiele von Reitz und Nicolas sind zwei Mutmacher für Fraulo, der mit 21 Jahren noch am Anfang seiner Karriere steht und mittlerweile in sein letztes Vertragsjahr am Niederrhein eingetreten ist. Kommt es zu keiner Trennung in diesem Sommer, hätte der dänische U21-Nationalspieler die Chance, sich für einen neuen Vertrag zu empfehlen. Dennoch müsste er sich wohl keine Sorgen um seine Zukunft machen, sollte Gladbach ihn 2026 ablösefrei ziehen lassen.