Politische Kontroversen nach Argentiniens Halbfinalsieg bei der WM
Ein Sieg mit politischem Sprengstoff: Argentiniens Banner zur Falklandfrage überschreitet eine klare Grenze – die FIFA muss handeln.
Atlanta – Gegen den Freudentaumel mit erhobenen Fäusten ist nichts einzuwenden, und ein sportlicher Rivale darf nicht nur in der Kreisliga, sondern auch bei einer Weltmeisterschaft verspottet werden. Doch was Argentiniens Fußballer zusammen mit ihren enthusiastischen Fans geleistet haben, ist inakzeptabel: Sie feierten das gewonnene Halbfinale gegen England (2:1) mit einem politischen Plakat, das sich auf den Krieg um die Falklandinseln bezieht.
„Las Malvinas son argentinas“ (Die Malvinas sind argentinisch) war in großen Buchstaben auf einem weißen Banner zu lesen, das unter anderem von Mittelfeldspieler Giovani Lo Celso gehalten wurde. Das Banner schaffte es offenbar schnell von den Rängen auf den Rasen. Es ist kaum ein Zufall, dass beide Seiten seit der WM 2022 in Katar ständig Lieder singen, in denen die Malvinas eine zentrale Rolle spielen.
Wie Diego Armando Maradona und Lionel Messi müssen auch die Falklandinseln erwähnt werden. Argentinien und Großbritannien führten 1982 über 70 Tage lang Krieg um die Inseln im Südatlantik. Obwohl die Mehrheit der über 1000 gefallenen Soldaten Argentinier waren, markierte dieser Konflikt auch den Beginn vom Ende der Militärdiktatur in Argentinien, die im Dezember 1983 mit der Rückkehr zur Demokratie endete.
Nationaltrainer Lionel Scaloni hatte zuvor appelliert, die Situation nicht weiter zu eskalieren. „Wir haben ein Gedächtnis und erinnern uns daran, aber es ist nicht nötig, darüber zu sprechen.“ Auch der erfahrene Trainer mit vielen Verbindungen nach Europa könnte anmerken, dass ohne den verlorenen Falklandkrieg die Militärjunta möglicherweise länger an der Macht geblieben wäre, die auch während der WM 1978 – beim ersten Titelgewinn Argentiniens – schreckliche Gräueltaten begangen hat.
Die Jubelfeier in Atlanta wirkte daher verstörend. Der Weltverband FIFA verbietet zudem das Zeigen politischer Botschaften während der WM-Spiele. Die britische Regierung erwartet daher zu Recht von der FIFA eine Untersuchung zu dem brisanten Banner. Es bleibt abzuwarten, was dabei herauskommt. Bisher sind die Argentinier, insbesondere hinsichtlich ihrer grenzwertigen Aktionen auf dem Platz, erstaunlich milde davongekommen.
Superstar Messi hatte anfangs gegen Algerien großes Glück, nicht mit Rot bestraft zu werden. Ägypten hatte nicht ganz unbegründet über strittige Entscheidungen geklagt. In diesem Fall gibt es jedoch eigentlich keinen Ermessensspielraum. Eine Bestrafung ist dennoch nicht zwangsläufig zu erwarten, da die Rechtsorgane des Weltverbands leider zu beeinflussbar sind, wie der traurige Fall von Folarin Balogun zeigt.