Rudi Völler entschärft Kritik nach Niederlage gegen Ecuador
Nach der Niederlage gegen Ecuador stellte Julian Nagelsmann fest, dass es nicht an fehlender Motivation gelegen habe. Rudi Völler widersprach ihm am Samstag indirekt und demonstrierte, wie man kritische Situationen geschickt entschärfen kann.
Winston-Salem – Wer darüber nachdenkt, ein Deeskalationstraining zu buchen, kann sich das Geld sparen und stattdessen eine Pressekonferenz mit Rudi Völler besuchen. Die Art und Weise, wie der DFB-Sportdirektor die brisanten Fragen und die angespannte Lage abmoderierte, war schlichtweg bemerkenswert.
Völler wurde nicht ohne Grund am Samstag zur Pressekonferenz des DFB eingeladen. Nach dem 1:2 gegen Ecuador und im Hinblick auf das Sechzehntelfinale gegen Paraguay sollte der 66-Jährige die Fußballnation beruhigen und einige Themen entschärfen. Eine zentrale Frage war, woran die Niederlage im letzten Gruppenspiel lag: an fehlender Qualität oder mangelnder Mentalität?
Laut Völler war es weder das eine noch das andere. In einem solchen Spiel sei es verständlich, dass ein paar Prozentpunkte gefehlt hätten, auch wenn man natürlich lieber gewonnen hätte. Seine Formulierungen waren unmissverständlich: „Ja gut, das ist ja klar.“ Völler vermittelte seine Aussagen mit einer solchen deeskalierenden Ruhe, dass man ihm sofort zustimmen wollte.
Doch neben seinem souveränen Gesamtauftritt, der sicherlich auch seiner Erfahrung und seinem Alter geschuldet ist, verfolgte er inhaltlich eine interessante Strategie: Völler gab offen zu, dass die Niederlage gegen Ecuador darauf zurückzuführen war, dass man als Gruppenerster nicht zwingend siegen musste und daher einige Prozentpunkte abgab.
Damit widersprach er Julian Nagelsmann, der nach dem Spiel betonte, dass es auf keinen Fall am mangelnden Einsatz gelegen habe. Diese Erklärung ist für das Fußballdeutschland wesentlich leichter zu akzeptieren als das Eingeständnis von fehlender Qualität.
Offensichtliche Probleme ehrlich zuzugeben und zu zeigen, dass man sie versteht und angeht, ist kommunikativ klüger, als die Verantwortung auf äußere Umstände zu schieben, wie es Nagelsmann tat. In dieser Hinsicht könnte der Bundestrainer noch etwas von dem Sportdirektor lernen.