Sandro Wagner spricht über seine Zeit als Trainer des FC Augsburg

Sandro Wagner spricht über seine Zeit als Trainer des FC Augsburg

Fast fünf Monate lang war es still um Sandro Wagner. Nun äußert sich der ehemalige Trainer des FC Augsburg erstmals über die Fehler und Erkenntnisse seiner ersten Station als Cheftrainer.

München – Seit dem 1. Dezember war es ruhig um den 38-Jährigen, der nach seinem Rücktritt beim FC Augsburg völlig aus der Öffentlichkeit verschwand. Er wechselte sogar seine Handynummer, trennte sich von Vertrauten und mied jegliche öffentliche Auftritte. Kein Interview, kein Stadionbesuch und keine Aktivitäten in sozialen Medien. In einem ausführlichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung hat Wagner nun sein Schweigen gebrochen.

Wagner zeigt sich reflektiert und erkennt seine Fehler an. „Ich hätte die Handynummer schon viel früher wechseln sollen, ganz Fußballdeutschland kannte meine Nummer“, erklärt er. Es sei wichtig gewesen, äußere Einflüsse kontrolliert an sich heranzulassen. „Ich wollte nachdenken und brauchte Ruhe. Die Zeit hatte ich bis dahin eigentlich nie“, so der vierfache Familienvater.

Offen spricht Wagner über seine Fehler beim FCA. Er gesteht, dass er zu euphorisch und ambitioniert gestartet sei und „den vierten Schritt vor dem zweiten“ machen wollte. Besonders bedauert er seine umstrittene Aussage nach der knappen 2:3-Niederlage gegen den FC Bayern, in der er bemerkte, dass Augsburg „auf keiner Position im ganzen Verein von der Qualität weniger aufgestellt“ sei. „Da hat einfach ein Halbsatz gefehlt“, gesteht Wagner. Zehn Minuten nach dem Abpfiff sei er noch zu emotional gewesen. „So etwas wird mir nicht mehr passieren.“

Grundsätzlich bleibt er jedoch bei seiner Überzeugung, dass Ballbesitzfußball der richtige Weg ist: „Reines Umschalten ist irgendwann auserzählt.“ Er hat jedoch gelernt, dass mehr Pragmatismus „an manchen Stellen sicher nicht geschadet“ hätte. Zudem plant er, sein Trainerteam künftig erfahrener aufzustellen. Als Vorbilder nennt er Gian Piero Gasperini, Roberto De Zerbi und Cesc Fàbregas.

Berichte eines Psychologen, der behauptete, Wagner sei nach seinem Trainer-Aus in ein Loch gefallen, weist er entschieden zurück: „Ich habe Familie, vier Kinder, drei Hunde, mein Alltag ist durchgetaktet.“ Stattdessen analysiere er täglich Spiele, und derzeit faszinierte ihn die Serie A. „Ich kann mir stundenlang Abwehrketten anschauen“, schwärmt er. Für die WM, bei der er als Assistent von Nagelsmann hätte teilnehmen können, empfindet er keine Wehmut: „Keine Sekunde.“

Über eine Rückkehr auf die Trainerbank sagt Wagner: „Wenn etwas passt, lege ich los, und wenn nicht, dann nicht.“ Sich anbiedern werde er sich nie. Sein zentrales Learning aus Augsburg ist, dass er künftig besser prüfen muss, wo er als Trainer und Person hinpasst: „Wo das gesamte Umfeld offen für Veränderungen ist und alle Leute richtig Bock darauf haben.“ Ein Star-Berater soll Wagner helfen, den richtigen Klub zu finden. Dem FC Augsburg bleibt er trotz allem dankbar: „Für mich bleibt nichts Negatives hängen.“

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