Tim Kleindienst: Der Schlüsselspieler für Borussia Mönchengladbach
Tim Kleindienst gilt als der erfolgreichste Transfer in der jüngeren Geschichte von Borussia Mönchengladbach. Doch es hätte auch anders kommen können.
Mönchengladbach – Vereine wie Borussia Mönchengladbach, die über begrenzte finanzielle Mittel verfügen, müssen beim Umgang mit ihren Finanzen äußerst vorsichtig sein. Fehltransfers können für den Klub kostspielige Folgen haben, da es oft nur wenige Möglichkeiten gibt, diese Fehler zu korrigieren. Daher ist besondere Vorsicht geboten, insbesondere bei Neuzugängen wie Tim Kleindienst.
Nach dem verpassten Europapokal in 2021 und dem damit verbundenen Abrutschen ins Mittelfeld der Bundesliga hatte Sport-Geschäftsführer Roland Virkus die Aufgabe, die Kaderkosten zu senken und gleichzeitig neue Talente zu entwickeln. Seitdem gilt die Regel, dass zunächst Einnahmen generiert werden müssen, bevor Ausgaben getätigt werden können.
Für Kleindienst machte Gladbach jedoch eine Ausnahme. Im Jahr 2024 wurde der Stürmer für sieben Millionen Euro vom 1. FC Heidenheim verpflichtet, wobei die Verantwortlichen in Vorleistung gingen, in der Hoffnung, den Wechselwunsch von Manu Koné erfüllen zu können. Kurz vor Transferschluss wurde dieser Wunsch erfüllt, als die AS Rom Koné für 18 Millionen Euro verpflichtete.
Wie Virkus in der Sky-Dokumentation „Mythos Borussia – Eine Legende wird 125“ erklärt, war die Genehmigung der Transfersumme für Kleindienst jedoch keine Selbstverständlichkeit. „Er hatte eine Ausstiegsklausel, aber wir hatten nicht das nötige Geld. Ich wollte ihn unbedingt, weil ich zu hundert Prozent überzeugt war, dass wir ihn brauchen, um eine neue Achse aufzubauen“, so Virkus.
Er kämpfte in zahlreichen Präsidiumssitzungen für den Transfer, wobei letztendlich sportliche Argumente ausschlaggebend waren. „Ich habe gesagt: Den brauchen wir, er kann ein entscheidender Faktor in diesem Projekt sein“, erklärt Virkus. Diese Hartnäckigkeit hat sich schließlich ausgezahlt.
Die Entschlossenheit des Sportchefs hinterließ auch bei Kleindienst einen bleibenden Eindruck. In der Doku verrät der Stürmer, dass er Virkus eindringlich gebeten hatte, alles zu versuchen, um den Transfer zu realisieren: „Versuch alles, damit das Ding klargeht, weil ich keinen Bock habe, mich noch einmal umzuschauen.“
Kleindienst hatte bereits eine Entscheidung für den Wechsel nach Gladbach getroffen. „Bei Borussia hatte ich diesen unglaublichen Willen gespürt, dass sie das zu hundert Prozent umsetzen wollen. Sie gingen bis ans Limit“, beschreibt der Stürmer seine Erfahrungen während der zähen Verhandlungen. „Das hat bei mir den Wunsch geweckt, genau so als Spieler behandelt zu werden.“
Rückblickend lässt sich sagen, dass Borussia mit dem Transfer von Kleindienst alles richtig gemacht hat. Der Angreifer hat die Kabine mit seiner positiven und energischen Art belebt und die Intensität des Spiels gegen den Ball erheblich gesteigert. Mit 16 Bundesliga-Treffern war Kleindienst zudem der fünftbeste Torschütze der vergangenen Saison und wurde Nationalspieler.
„Ich glaube, dass er ein wichtiger Faktor in der Kabine ist, weil er auf der einen Seite professionell und pflichtbewusst ist. Auf der anderen Seite ist er extrem mutig und hat vor niemandem Angst“, betont Cheftrainer Gerardo Seoane die Bedeutung von Kleindienst für Borussia. Die Ernennung zum Mannschaftskapitän vor Beginn der neuen Saison war daher keine große Überraschung. Fast wäre jedoch alles anders gekommen.