Trump beim WM-Finale: Ein umstrittener Auftritt
Der WM-Pokal ist das begehrte Objekt, das erst nach sportlichem Erfolg berührt werden sollte. Für den US-Präsidenten Donald Trump scheint diese Regel jedoch nicht zu gelten.
In New York nahm Trump am WM-Finale zwischen Argentinien und Spanien im MetLife Stadium in East Rutherford, nahe New York, teil. Dies war sein erster Stadionbesuch während dieser Weltmeisterschaft, nachdem er zuvor keines der 103 Spiele besucht hatte. Er saß neben FIFA-Präsident Gianni Infantino, doch bei den ersten TV-Einblendungen war Trump kaum zu erkennen, da eine Glasscheibe die Sicht behinderte.
Bereits in der Anfangsphase des Spiels sorgte Trump für einen denkwürdigen Moment: Der brasilianische Weltmeister Ronaldo brachte die goldene WM-Trophäe zu Trumps Platz und präsentierte sie wie eine edle Flasche Wein. Trump drehte sich kurz um und tätschelte den Pokal, während Infantino schmunzelte.
Der ZDF-Kommentator Oliver Schmidt ließ diese Szene nicht unkommentiert und äußerte scharfe Kritik: „Fasziniert von der Macht und von sich selbst“, sagte er im Live-Kommentar in Richtung der beiden. Schmidt ergänzte provokant: „Trump mit seinem Telefonjoker Infantino, seinem Lakai.“ Damit erntete er im Internet viel Zustimmung.
Bereits zwei Tage vor dem Finale hatte Trump im Trump Tower seinen Anspruch formuliert. „Wir müssen das wiederholen, solange ich noch da bin. Hörst du das, Gianni?“, wandte er sich an Infantino. Weiter sagte er: „Diese WM war so erfolgreich, dass wir die USA einfach noch einmal auswählen sollten. Diesmal lassen wir Mexiko und Kanada außen vor.“
Auch Infantino übertraf sich in seinen Lobeshymnen. „Dies war und ist nicht nur die großartigste Weltmeisterschaft aller Zeiten. Es ist das großartigste menschliche, soziale und kulturelle Ereignis, das die Menschheit je erlebt hat“, erklärte er und wandte sich direkt an Trump. Dieser benötige zwar „keine Komplimente“, aber: „Diese Weltmeisterschaft wäre ohne Sie nicht so ein unglaublicher Erfolg gewesen.“
Obwohl Trump nicht im Stadion war, dominierte er das Turnier. Sein Anruf bei Infantino, um die Rote Karte gegen den US-Stürmer Folarin Balogun neu bewerten zu lassen, sorgte weltweit für Empörung. Die Sperre wurde zwar ausgesetzt, doch die USA verloren dennoch deutlich mit 1:4 im Achtelfinale gegen Belgien. Der Gastgeber konnte also nicht nach dem begehrten Pokal greifen – doch Trump tat es einfach.