Uli Hoeneß' Auftritt im Doppelpass schadet dem FC Bayern

Uli Hoeneß' Auftritt im Doppelpass schadet dem FC Bayern

Uli Hoeneß hat im „Doppelpass“ interne Informationen preisgegeben, die dem FC Bayern eher schaden als nützen.

Die Beziehung zwischen Uli Hoeneß und dem FC Bayern prägt den deutschen Fußball seit Jahrzehnten. Trotz seiner unbestreitbaren Verdienste war das, was der Ehrenpräsident am Sonntag in der bekanntesten Fußball-TV-Sendung Deutschlands von sich gab, alles andere als hilfreich für den Verein.

Der 73-Jährige äußerte sich in der Sendung gewohnt offen und kritisierte dabei sowohl Lothar Matthäus als auch Markus Babbel. Seine scharfen Angriffe gegen die Konkurrenz waren einmal mehr deutlich zu spüren.

Obwohl es nicht neu ist, dass Hoeneß über den Sparkurs des Vereins spricht, ging er diesmal noch weiter: Er übte indirekte Kritik an Max Eberl, indem er dessen Transferwünsche in Frage stellte und auf die Vorgaben des Aufsichtsrats verwies. Dadurch stellte er den Sportvorstand öffentlich bloß und erzeugte den Eindruck von Uneinigkeit.

Für Eberl, der ohnehin in der Kritik steht, war dies ein Bärendienst. Interne Rückmeldungen gehören ins Gremium und nicht ins Fernsehen. Außenstehende, die den Rekordmeister beobachten, sehen vor allem ein zerstrittenes Machtzentrum.

Hoeneß machte kein Geheimnis daraus, dass es in den vergangenen Wochen „Auseinandersetzungen und andere Meinungen“ an der Säbener Straße gegeben hat, besonders zwischen ihm und Eberl. Im Gegensatz zu ihm oder dem ehemaligen Bayern-CEO Karl-Heinz Rummenigge reagiere Eberl jedoch „ziemlich empfindlich“ auf solche Kritik.

Besonders brisant war Hoeneß' Live-TV-Coaching für seinen Sportvorstand: „Es wäre auch für Max gut, wenn er endlich begreift, dass man das auf mehrere Schultern verteilt. Ich glaube schon, dass er damit so seine Probleme hat“, analysierte er die Arbeit des Chefkaderplaners nach dem Sommer-Transferfenster.

Noch gravierender war die Indiskretion rund um den Neuzugang Nicolas Jackson. Hoeneß enthüllte, dass der Stürmer und sein Berater drei Millionen Euro der Leihgebühr übernommen hätten. Gleichzeitig verriet er, dass der Senegalese mindestens 40 Spiele von Anfang an bestreiten muss, damit die Kaufverpflichtung in Höhe von 65 Millionen Euro greift. Laut Hoeneß wird Jackson diese Anzahl an Starteinsätzen allerdings „nie machen“.

Mit dieser Aussage stellte er nicht nur vertrauliche Vertragsdetails öffentlich zur Schau, sondern nahm dem neuen Bayern-Spieler auch jegliche Wertschätzung, bevor dieser sein erstes Spiel für den Rekordmeister absolviert hat. Wer möchte sich als Profi noch in München verpflichten, wenn man befürchten muss, dass persönliche Verhandlungen in der nächsten Fernsehsendung nacherzählt werden?

Obwohl Hoeneß es sicherlich gut gemeint hat, schwächt er mit solchen Auftritten die ohnehin schwierige Verhandlungsposition der Bayern auf dem Transfermarkt. Wunschspieler wie Florian Wirtz oder Nick Woltemade haben bereits andere Vereine gewählt. Wer München aktuell als Arbeitgeber betrachtet, liest von Unruhe, Unstimmigkeiten und einem Ehrenpräsidenten, der intime Details preisgibt.

Natürlich lebt und lebte Hoeneß von seiner Direktheit, und seine Auftritte sind unterhaltsam. Doch gerade jetzt benötigt der FC Bayern Geschlossenheit und Vertrauen. „Mia san mia“ bedeutet eben auch, Dinge intern zu klären. Hoeneß hat dieses Prinzip im „Doppelpass“ einmal mehr über Bord geworfen.

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