Weniger Public Viewings: Deutsche Fans Bevorzugen Heimisches Sofa zur WM
Die Anstoßzeiten der aktuellen Fußball-Weltmeisterschaft scheinen eine traditionelle Kulturform, die während der WM-Sommerzeit florierte, zu verdrängen: die Public Viewings. Immer mehr Deutsche ziehen es vor, die Spiele von zu Hause aus zu verfolgen.
Public Viewing war über viele Jahre hinweg eines der großen Highlights der Fußballsommer. Diese typisch deutsche Tradition, Spiele gemeinsam zu erleben, gehörte zu den Europameisterschaften und Weltmeisterschaften einfach dazu. Ob auf Fanmeilen, in Biergärten oder auf Marktplätzen – Public Viewing sorgte normalerweise für das richtige Turnierfeeling.
In dieser WM-Saison jedoch zeigt sich ein anderes Bild: Anstelle von Großleinwänden und Menschenmengen bevorzugen die meisten deutschen Fans die Gemütlichkeit ihres eigenen Sofas. Eine aktuelle Umfrage des Verbraucherportals Vergleich.org unter 500 Teilnehmern belegt, dass 43 Prozent der Befragten die Spiele der Weltmeisterschaft am liebsten in den eigenen vier Wänden verfolgen.
Zusätzlich schauen 27 Prozent die Partien in geselliger Runde mit Freunden oder Familie. Damit findet die WM für sieben von zehn Befragten vor allem in privater Atmosphäre statt. Im Gegensatz dazu verliert das klassische Public Viewing deutlich an Bedeutung: Nur sechs Prozent der Befragten geben an, die Spiele am liebsten auf Fanmeilen oder ähnlichen Veranstaltungen zu verfolgen, während lediglich vier Prozent eine Kneipe oder Bar bevorzugen.
Ein wesentlicher Grund für diesen Trend sind die Anstoßzeiten. Da die WM in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird, beginnen viele Spiele aus deutscher Sicht erst spät am Abend. Das erste Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao startet zwar um 19 Uhr deutscher Zeit, die weiteren Gruppenspiele beginnen jedoch erst um 22 Uhr.
Trotz dieser Veränderungen bleibt das Interesse am Turnier ungebrochen. Auf die Frage, was den Befragten beim Fußballschauen am wichtigsten sei, antworteten 24 Prozent: Hauptsache, Deutschland gewinnt. Für weitere 19 Prozent stehen die Spiele aus fußballerischer Sicht im Mittelpunkt. Interessant ist auch, dass für ebenso viele Fans die Gesellschaft entscheidend ist; 24 Prozent gaben an, die WM vor allem gemeinsam mit Freunden oder Familie genießen zu wollen.
Fanartikel hingegen scheinen an Bedeutung zu verlieren: Nur neun Prozent der Befragten möchten sich Deutschland-Trikots zulegen, um die DFB-Elf zu unterstützen. Dennoch kommen nur wenige ohne Fußball durch den Sommer: Lediglich 13 Prozent der Befragten gaben an, die Weltmeisterschaft gar nicht verfolgen zu wollen.