Werder Bremen unterliegt 1. FC Köln mit 1:3 – Taktik-Analyse von Tobias Escher
Werder Bremen steht nach der 1:3-Niederlage gegen den 1. FC Köln unter Druck. In seiner Taktik-Analyse erklärt Tobias Escher, warum das Team erneut mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, insbesondere in der Offensive.
Die Situation für Werder Bremen wird zunehmend kritisch. Bereits in der ersten Halbzeit erlitt das Team zwei entscheidende Rückschläge: Nach nur sieben Minuten geriet Bremen durch einen Elfmeter in Rückstand, und nach 24 Minuten musste Marco Friedl aufgrund einer strittigen roten Karte das Feld verlassen. Diese Rückschläge behinderten die Mannschaft erheblich, die sich nicht von den frühen Schlägen erholen konnte. Es zeigte sich erneut, dass Werder Schwierigkeiten hat, offensiv durchschlagskräftig zu agieren.
Trainer Daniel Thioune nahm im Vergleich zur knappen 1:2-Niederlage in Leipzig einige Änderungen vor. Cameron Puertas fehlte wegen einer Gelbsperre, was eine Kettenreaktion nach sich zog: Romano Schmid wechselte ins zentrale Mittelfeld, während Felix Agu die Position des linken Außenstürmers übernahm. Yukinari Sugawara erhielt einen Platz in der Startelf. Diese Umstellungen waren nicht nur eine Reaktion auf Puertas Fehlen, sondern auch auf die Spielweise des Gegners, der unter dem neuen Trainer René Wagner auf eine Mischung aus Dreier- und Viererkette setzte.
Der Plan, den Thioune aufgestellt hatte, war jedoch nur von kurzer Dauer. Nach dem frühen Rückstand musste Werder Bremen das Spiel gestalten. In der Zeit zwischen dem Gegentor und der roten Karte gegen Friedl hatte Bremen einen Ballbesitz von über 60 Prozent. Die Bremer versuchten, über eine Dreierkette aufzubauen, wobei Olivier Deman tief blieb und Sugawara nach vorne schob. Trotz dieser Überzahl in der ersten Aufbaulinie gelang es Werder nicht, den Ball effektiv ins letzte Drittel zu bringen. Vorne fehlte es an Durchschlagskraft, und Flanken waren aufgrund des Fehlens von Zielspielern keine Option.
Nach der roten Karte sah sich Werder Bremen gezwungen, defensiv zu agieren und stellte sich in einem 4-4-1 auf. Der 1. FC Köln nutzte die Situation, um das Spiel geduldig aufzubauen und suchte vor allem über den linken Flügel, wo Said El Mala für Gefahr sorgte. Nach der Halbzeit wechselte El Mala komplett auf die linke Seite, während der eingewechselte Alessio Castro-Montes ins Zentrum zog. Kurz nach Wiederanpfiff hatte Werder Glück, als Castro-Montes bei seinem Tor nur wenige Millimeter im Abseits stand.
Nachdem Werder in Unterzahl kaum Zugriff hatte, versuchten sie, mit aktivem Pressing zurück ins Spiel zu finden. Mit der Einwechslung von Salim Musah stellte Werder auf ein 4-3-2 um, doch die Stürmer blieben weiterhin in Unterzahl. Die Partie plätscherte vor sich hin, während Köln das Spiel kontrollierte und immer wieder die Breite suchte. Nach dem Kölner Treffer zum 2:0 schien das Spiel entschieden. Doch dann schenkte Ragnar Ache Werder einen Elfmeter, wodurch es wieder 1:2 stand.
Werder versuchte, den Rückstand aufzuholen, indem sie auf ein offensives 4-2-3-System umstellten. Das Team kam tatsächlich häufiger in die gegnerische Hälfte, doch die Angriffe wurden meist nur von zwei oder drei Spielern unterstützt, während Köln immer wieder konterte. Nur Torhüter Mio Backhaus hielt Werder im Spiel, bis er kurz vor dem Abpfiff einen weiteren Treffer zum 1:3 kassierte.
Die Niederlage war der verdiente Schlusspunkt eines einseitigen Spiels. Werder Bremen konnte sich von den beiden frühen Rückschlägen nie erholen. Besorgniserregend ist vor allem die Statistik: Ohne den Elfmeter summierten sich Werders Chancen auf lediglich 0,13 Expected Goals. Damit blieben sie im vierten Spiel in Folge unter der Marke von einem Expected Goal. Um im kommenden Derby gegen den Hamburger SV drei Punkte zu holen, sollte dieser Wert in der nächsten Woche deutlich höher ausfallen.