Christian Großs Entwicklung als Co-Trainer bei Werder Bremen
Christian Groß blickt auf ein ereignisreiches erstes Jahr als Co-Trainer bei Werder Bremen zurück. Die Verantwortlichen bewerten seine Arbeit durchweg positiv.
Bremen – Am Ende konnte eine Krise abgewendet werden, wenn auch nicht auf die schönste Art und Weise. Im Gegensatz zu Mai 2021, als Christian Groß noch Spieler war und mit dem SV Werder Bremen aus der 1. Bundesliga abstieg, hat er nun seine erste Saison als Co-Trainer hinter sich – und diese war alles andere als einfach. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit musste der 37-Jährige die Herausforderungen des Trainerberufs hautnah erleben. Theoretisch hätte seine Amtszeit abrupt enden können, doch als Cheftrainer Horst Steffen im Winter nach einer erfolglosen Serie entlassen wurde und Daniel Thioune seine Nachfolge antrat, durfte Groß bleiben. Und er wird dies auch weiterhin tun, da seine Arbeit bei den Verantwortlichen sehr gut ankommt.
„Es ist beeindruckend, wie sich Grosso in seinem ersten Jahr als Co-Trainer weiterentwickelt hat. Er ist ein hervorragender Sparringspartner für Daniel Thioune und bringt seine Ideen vorbildlich ein“, lobte Peter Niemeyer, Werders Leiter Profifußball, im Gespräch mit der DeichStube. Zudem arbeitet der Ex-Profi erfolgreich an seiner B-Lizenz, was ihn zusätzlich fordert. Weitere Lehrgänge werden folgen, um sich auf möglicherweise größere Aufgaben vorzubereiten. „Christian Groß ist aus meiner Sicht ein großes Trainertalent. Er ist sehr klar in dem, was er machen möchte“, schwärmte Thioune kürzlich in einem Interview. „Vielleicht kann ich ihm etwas mitgeben, gleichzeitig profitiere ich auch von ihm.“
Das Duo kennt sich bereits aus gemeinsamen Zeiten beim VfL Osnabrück, wo Groß von Thioune zum Kapitän ernannt wurde und als verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz agierte. Dieses vertrauensvolle Verhältnis setzt sich nun in Bremen fort, wobei Groß als Assistent sehr detailverliebt arbeitet. „Bei den Standards arbeitet er mit Unterstützung von Torwarttrainer Christian Vander und dem Analyse-Team mit großer Akribie“, berichtet Niemeyer.
Wenn die Bälle ruhen, ist Christian Groß aktiv. Er arbeitet im Hintergrund an Laufwegen und Varianten, analysiert TV-Studien nach Schwächen gegnerischer Teams und schöpft aus seinen eigenen Erfahrungen, um die Defensive bei gegnerischen Hereingaben zu verbessern. Diese Informationen fließen in die wöchentliche Trainingsarbeit der Norddeutschen ein, wobei die Bilanz gemischt ausfällt.
Werder Bremen erzielte in der vergangenen Saison nach Standards lediglich sieben Tore – so wenig wie nur der Hamburger SV. Zudem fielen drei dieser Tore per Elfmeter. „Die Qualität unserer Hereingaben war in Ordnung“, meint Peter Niemeyer, „aber wir haben zu selten die Abnehmer gefunden oder, wenn wir sie fanden, fehlte die Präzision beim Abschluss.“ Besser sieht es statistisch bei den Gegentoren nach ruhenden Bällen aus: Mit zwölf kassierten Toren (darunter sechs Strafstöße) belegen die Norddeutschen den elften Platz im Ligavergleich. „Defensiv hat das weitgehend gut ausgesehen“, so Niemeyer, „aber für die neue Saison müssen wir auch in diesen Bereichen auf Physis und Ausführung volle Aufmerksamkeit legen.“ Christian Groß wird mit seinen Mitstreitern weiter daran arbeiten. Es hat ihn immer geärgert, dass der Ball bei den Varianten lange nicht ins Ziel fand. An Arbeit wird es also nicht mangeln, und die nächste Saison soll für Werder Bremen besser verlaufen als die vergangene – und hoffentlich weniger turbulent.