Christoph Kramer über Michaël Cuisance: Ein vielversprechendes Talent mit unerfülltem Potenzial

Christoph Kramer über Michaël Cuisance: Ein vielversprechendes Talent mit unerfülltem Potenzial

In seinen fast zehn Jahren bei Borussia Mönchengladbach hat Weltmeister Christoph Kramer viele Spieler kommen und gehen sehen. Besonders beeindruckt hat ihn jedoch ein Talent, das einst von Max Eberl, dem heutigen Sportvorstand des FC Bayern, verpflichtet wurde: Michaël Cuisance, damals erst 17 Jahre alt und aus Frankreich.

„Ich dachte, übertrieben gesagt, dass Cuisance irgendwann einmal um den Weltfußballer-Titel mitspielen würde“, gestand Kramer im „Copa TS“-Podcast von Tommi Schmitt. Trotz seines Wechsels zu Bayern München im Jahr 2019 erfüllte sich diese Prognose nicht. Nach mehreren Transfers und Leihen fand Cuisance schließlich seinen Weg zur Hertha BSC.

„Jetzt ist er ein erfahrener Zweitligaspieler“, so Kramer. „Von seinem Potenzial her ist das nicht optimal, muss ich ehrlich sagen. Ich hatte deutlich mehr erwartet. Aber es sind oft kleine Dinge, die darüber entscheiden“, erklärte der ehemalige Profi, der inzwischen seine A-Trainerlizenz erworben hat. „Bei jungen Spielern kann eine winzige Kleinigkeit den Unterschied zwischen einem Weltfußballer und einem guten Zweitligaspieler ausmachen.“

Cuisance hatte in Gladbach einen vielversprechenden Start: „In seiner ersten Saison wurde er zum Spieler der Saison gewählt, obwohl er meist nur eingewechselt wurde. Das war absolut verdient“, erinnerte sich Kramer. „Er hatte etwas Außergewöhnliches, das die Fans in einer Saison, in der wir glanzlos Siebter oder Achter wurden, verzaubert hat.“ Tatsächlich belegte Borussia in Cuisances erster Saison 2017 den neunten Platz.

Nach seiner ersten Profisaison wurde Cuisance von Ehrgeiz gepackt und wollte sich weiterentwickeln: „Er hatte eigentlich gute Gründe dafür“, räumte Kramer ein. „Aber er hat so viel im Kraftraum gearbeitet, dass er ein wenig von seiner Geschmeidigkeit und seinem Können verloren hat. Er hat bestimmt zwei, drei Kilo Muskelmasse aufgebaut. Obwohl das aus Ehrgeiz geschah, tat ihm das nicht gut.“

Kramer erklärte weiter: „Ein anderer Körperschwerpunkt führt zu einem anderen Spielstil und damit zu einem ganz anderen Spieler. Man kann ihm nichts vorwerfen, denn er wollte es wirklich. Aber ich glaube, dass er die falschen Prioritäten gesetzt hat.“ Dennoch ist Cuisances Karriere noch lange nicht vorbei; mit erst 26 Jahren hat er noch viele Jahre im Profifußball vor sich.

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