Ein denkwürdiges DFB-Pokal-Achtelfinale: Beckenbauers letzte Saison beim FC Bayern

Ein denkwürdiges DFB-Pokal-Achtelfinale: Beckenbauers letzte Saison beim FC Bayern

In seiner letzten Spielzeit als aktiver Fußballer erlebte Franz Beckenbauer eine denkwürdige Partie in der Geschichte des FC Bayern München.

München – Am 8. Januar 1977 fand im Münchner Olympiastadion ein außergewöhnliches DFB-Pokal-Achtelfinale statt. Bei leichtem Schneefall kamen lediglich 6.500 Zuschauer zu dem „Bruderkampf“ zwischen den Profis des FC Bayern, den frisch gekürten Weltpokalsiegern und dreimaligen Europapokalsiegern der Landesmeister, und den eigenen Amateuren, die damals in der Bayernliga spielten. Dank von vier Toren von Gerd Müller setzten sich die Profis schließlich mit 5:3 durch.

Der kicker titelte damals „Ohne Licht eine Blamage“. Dies bezog sich jedoch nicht auf einen Ausfall des Flutlichts, sondern war eine Anspielung auf die starke Leistung von Hubertus Licht, der als Ersatztorhüter für den verletzten Sepp Maier im Tor der Profimannschaft stand.

Es war das einzige Pflichtspiel, das Licht jemals für den FC Bayern absolvierte. Sepp Maier hatte in jenen Jahren einen Bundesligarekord aufgestellt: In 13 aufeinanderfolgenden Bundesligajahren (von 1966/67 bis 1978/79) stand er in jedem Spiel der Bayern im Tor – insgesamt 442 Spiele ohne Unterbrechung. Erst ein schwerer Autounfall am 14. Juli 1979 beendete diese beeindruckende Serie.

Der verletzungsbedingte Ausfall des ehrgeizigen Weltmeisters von 1974 spiegelte die mäßige Einstellung der Bayern-Profis an diesem Januar-Nachmittag wider. Wenn selbst der Vorzeige-Profi Maier kein Interesse an einem eiskalten Duell mit den eigenen Amateuren hatte, war dies sicherlich auch bei den anderen Spielern der Fall. Es schien, als ob sie dachten: „Vor zwei Wochen haben wir den Weltpokal nach München geholt und jetzt müssen wir bei Schneefall gegen unsere eigenen Amateure antreten – das ist eine Majestätsbeleidigung!“

Der kicker berichtete über das 1:0 für die Amateure und bestätigte damit diese Annahme: „Nach 13 Minuten führte der Bayernligist durch einen Treffer von Linksaußen Reisinger, nachdem Gruber dem besten Fußballer Europas, Franz Beckenbauer, respektlos den Ball abgenommen hatte.“ Der schmunzelnde Kaiser bewertete das kuriose Aufeinandertreffen nach dem Abpfiff als „Trainingsspiel“.

Der Spielbericht des kicker endete mit dem Satz, dass die Amateure „deutlich unter Beweis stellten, dass der Leistungsunterschied zu den Profis kleiner geworden ist.“ Dies war ein passendes Fazit zur Stärke der damaligen FCB-Amateure, von denen sieben Spieler mehr oder weniger lange zum Profikader gehörten, teilweise bereits in der Saison 1976/77.

Besonders hervorzuheben ist die spätere FC Bayern-Legende Klaus Augenthaler, der in dieser Partie dafür verantwortlich war, dass der 21-jährige Karl-Heinz Rummenigge bereits nach 24 Minuten verletzt ausgewechselt werden musste. Respekt sieht anders aus. Nach dieser Spielzeit übernahm Augenthaler schrittweise die legendäre Libero-Position von Beckenbauer, der im Sommer 1977 zu Cosmos New York wechselte. 1990 war der kernige Niederbayer dann Libero des Kaisers beim deutschen WM-Sieg in Italien.

Willi Reisinger, Jahrgang 1958, gehörte von 1976 bis 1980 zum Profikader des FC Bayern, kam jedoch nur auf neun Pflichtspiele. Dennoch war er Teil der Deutschen Meistermannschaft von 1980. Seine beste Zeit als Profi verbrachte er von 1981 bis 1985 beim KV Mechelen in der belgischen Liga, wo er in 103 Spielen 50 Tore erzielte. Zu dieser Zeit gehörte die Belgische Liga mit RSC Anderlecht an der Spitze zu den europäischen Top-Ligen.

Peter Gruber überzeugte den FCB-Coach Dettmar Cramer so sehr, dass er eine Woche später sein Bundesliga-Debüt gegen Fortuna Düsseldorf gab. In der Rückrunde 1976/77 spielte er insgesamt 16 von 17 Spielen und blieb bis 1980 beim FC Bayern. Auch Peter Gruber kann sich Deutscher Fußballmeister der Saison 1979/80 nennen. Wesley Schenk debütierte ebenfalls eine Woche später in Düsseldorf und spielte bis 1978 insgesamt sechsmal in der Bundesliga für Bayern.

Der früh verstorbene Erhan Önal kam aus der eigenen Jugend und gehörte in der Saison 1976/77 bereits zum Profi-Kader des FCB. Bis 1978 spielte er insgesamt 18 Mal für die Münchner in der Bundesliga und war das erste Migrantenkind türkischer Abstammung im deutschen Fußball-Oberhaus. Zwischen 1979 und 1981 lief er zwölfmal für die türkische Nationalmannschaft auf und wurde mit Standard Lüttich zweimal belgischer Meister sowie mit Galatasaray Istanbul zweimal Meister in der Türkei.

Kapitän Rudi Grosser, der jüngere Bruder des bekannteren Peter, spielte von 1963 bis 1967 in der ersten Mannschaft des FC Bayern. Als Ergänzungsspieler gehörte er zu der Mannschaft, die 1965 in die Bundesliga aufstieg und zweimal den DFB-Pokal (1966 und 1967) sowie 1967 den Europapokal der Pokalsieger gewann. Von 1974 bis 1977 spielte er nochmals für die Bayern Amateure.

Toni Schrobenhauser, Jugendnationaltorwart, war von 1977 bis 1979 dritter Torwart hinter Sepp Maier und Walter Junghans und ist den älteren Bayernfans sicherlich wesentlich bekannter als Hubertus Licht.

Edi Kirschner spielte von 1976 bis 1978 sowohl bei den Profis als auch bei den Amateuren.

Unter den Profis des heutigen Rekordmeisters spielte unter anderem Kjeld Seneca, der von 1975 bis 1977 lediglich auf sechs Bundesliga-Spiele für den FC Bayern kam, obwohl er zu der Zeit dänischer Nationalspieler war. Für den Torschützen des fünften Profi-Tores, Reiner Künkel, waren die zweieinhalb Jahre beim FC Bayern (von Januar 1976 bis 1978) die einzigen Spielzeiten, in denen er erstklassig spielte.

Hätte Gerd Müller trotz starker Bandscheiben-Beschwerden nicht seinen unnachahmlichen Torriecher bewiesen, wäre eine Blamage für den frisch gekrönten Weltpokalsieger durchaus möglich gewesen. Eine Blamage, die in Anbetracht der damaligen Umstände und Aufstellungen sogar hausgemacht gewesen wäre.

Am darauffolgenden Sonntag mussten die Profis übrigens bei einem Hallenfußballturnier antreten, wo sie nach Niederlagen gegen den MSV Duisburg, Fortuna Düsseldorf und RW Essen den letzten Platz belegten. Zwei Tage später verloren Beckenbauer und Co. in Israel ein Freundschaftsspiel gegen die dortige Nationalmannschaft mit 0:2.

Die meisten Akteure der international erfolgreichsten Epoche des FC Bayern waren zu diesem Zeitpunkt bereits über ihren Leistungszenit hinaus. Nur wenige Wochen später schied der FC Bayern im Pokal bei der Berliner Hertha mit 2:4 nach Verlängerung aus, und kurz darauf folgte das Aus im Europapokal der Landesmeister, den man zwischen 1974 und 1976 dominiert hatte. Nach einem großen Kampf musste man sich Dynamo Kiew mit 1:0 und 0:2 geschlagen geben.

Am Saisonende erreichte man mit einem 7. Tabellenplatz in der Bundesliga gerade noch die Qualifikation für den UEFA-Cup, während Franz Beckenbauer zu Cosmos New York wechselte. Das 5:3 gegen die eigenen Amateure war bereits ein Vorbote für die schwächste Bayern-Periode des vergangenen halben Jahrhunderts.

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