Emotionale Mitgliederversammlung bei Borussia Mönchengladbach
Die Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach wurde zu einem emotionalen Abend, als Präsident Rainer Bonhof bei seiner Rede die Tränen nicht zurückhalten konnte.
Gladbach – Borussia Mönchengladbach befindet sich in einer der schwierigsten Phasen seiner jüngeren Vereinsgeschichte. Mit dem elften Platz in der Bundesliga und nur sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz ist der Klassenerhalt drei Spieltage vor Saisonende noch immer nicht sicher – die Situation ist angespannt. Am Montagabend versammelten sich rund 1600 Mitglieder im Borussia-Park zur Jahreshauptversammlung, die von Kritik, Emotionen und offenen Worten geprägt war.
Bereits nach etwa 40 Minuten flossen die ersten Tränen. Präsident Rainer Bonhof, sichtlich betroffen, kämpfte mit seiner Stimme und den Worten. „Es ist ein beschissenes Jahr!“, erklärte der 74-Jährige über die aktuelle Lage des fünfmaligen deutschen Meisters. „Ich hatte gehofft, dass wir stabiler sind, das ist leider nicht eingetreten“, sagte der Weltmeister von 1974 mit zitternder Stimme. Die Mitglieder spendeten ihm daraufhin Applaus.
Besonders das 3:3-Unentschieden gegen den Erzrivalen 1. FC Köln hatte sich tief in Bonhofs Gedächtnis eingeprägt. Er berichtete, wie er nach dem späten Ausgleich die Gladbacher Fans ansah und dachte: „Für die lohnt es sich, nicht abzusteigen.“ Ob er 2027 erneut als Präsident antreten wird, ließ er offen: „Ich habe im Kopf, noch einmal den Finger zu heben. Aber die 250-Jahr-Feier von Borussia werde ich nicht mehr erleben.“
Im Vorfeld der Versammlung hatte die aktive Fanszene Flugblätter verteilt und den Rücktritt des Präsidiums gefordert. „Borussia hat keine Zeit mehr zu verschwenden“, stand auf den Flyern. Man hofft, dass die verdienten Persönlichkeiten an der Spitze im Sommer den Weg für eine Neuaufstellung freimachen. Wahlen standen am Montagabend jedoch nicht auf der Agenda.
Sportchef Rouven Schröder erhielt hingegen deutliches Vertrauen und viel Applaus. „Wir brauchen ein richtig gutes Transferfenster. Für mich ist ein Wort wichtig: Mut“, sagte Schröder. Gleichzeitig müsse er die Kaderkosten senken, ohne an Qualität einzubüßen.
Auch Trainer Eugen Polanski äußerte sich kämpferisch. „Wir haben gute Charaktere, aber mir fehlt die Gier auf Erfolg. Wir brauchen ein paar „Arschlöcher“ in der Mannschaft, um Spiele zu gewinnen“, erklärte Polanski. Er sei voller Tatendrang, Dinge so zu ändern, wie er sie haben wolle. Ein Satz, der den Ernst der Lage am Niederrhein treffend beschreibt. Erst kürzlich brach auch ein Juwel von Gladbach auf dem Platz in Tränen aus.