FIFA weist Berichte über geheime Anweisung zur TV-Präsenz von Gianni Infantino zurück
Bei fast jedem Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird FIFA-Präsident Gianni Infantino in den TV-Bildern sichtbar sein. Die FIFA hat nun Berichte zurückgewiesen, die von einer geheimen Anweisung zur TV-Präsenz des 56-Jährigen sprechen.
Wie The Athletic berichtet, bezeichnete der Weltverband die entsprechenden Behauptungen als „irreführend“. Es gebe keine Vorgabe, dass Infantino während jeder Partie zwingend im Fernsehen gezeigt werden müsse. Diese Diskussion hatte bereits während der WM 2022 in Katar für Aufsehen gesorgt, als die Times berichtete, Regisseure seien angewiesen worden, den FIFA-Präsidenten mindestens einmal pro Spiel einzublenden.
Das Thema ist jedoch nicht vollständig vom Tisch. Laut The Athletic besteht zwischen der FIFA und dem WM-Host-Broadcaster HBS (Host Broadcast Services) eine Vereinbarung, die vorschreibt, dass in jeder Halbzeit mindestens ein „Dignitary Shot“ gezeigt werden muss. Hierbei handelt es sich um Aufnahmen besonders hochrangiger Gäste auf der Tribüne, darunter Staatsoberhäupter, hochrangige Verbandsfunktionäre, Prominente und andere als „Very Very Important Persons“ (VVIPs) akkreditierte Besucher.
Wenn Infantino auf der Ehrentribüne sitzt, gehört er naturgemäß ebenfalls zu diesem Kreis. Ein FIFA-Sprecher erklärte dazu: „Es ist gängige Praxis, dass Sitzplätze von Fußballfunktionären, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Prominenten im Rahmen des regulären Ablaufs der TV-Übertragung gezeigt werden.“
Die Bilder im deutschen Fernsehen stammen nicht direkt von ARD, ZDF, MagentaTV oder anderen Rechteinhabern. Das offizielle Weltsignal der Weltmeisterschaft wird von HBS produziert und weltweit an alle TV-Partner verteilt, die es verpflichtend übernehmen. Ob Infantino eingeblendet wird oder nicht, entscheiden die einzelnen Fernsehsender somit nicht selbst.
Die erneute Diskussion über dieses Thema hängt auch mit den Erfahrungen der WM 2022 zusammen. Damals berichtete die Times, dass Regisseure per E-Mail die Empfehlung erhielten, Infantino während jedes Spiels mindestens einmal ins Bild zu nehmen. Zudem wurde empfohlen, den FIFA-Präsidenten möglichst nicht mit seinem Handy in der Hand zu zeigen. Die FIFA betont nun ausdrücklich, dass es eine solche Vorgabe bei der WM 2026 nicht gebe.
Infantino war während der Gruppenphase besonders präsent, da er häufig zwei WM-Partien pro Tag besuchte, wofür er unter anderem einen Privatjet nutzte. Aufgrund der großen Entfernungen zwischen den Spielorten in den USA, Kanada und Mexiko konnte selbst Infantino jedoch nicht alle WM-Spiele besuchen. Die Aufmerksamkeit um seine TV-Präsenz kommt zu einem politisch wichtigen Zeitpunkt, da er sich 2027 für eine dritte Amtszeit als Präsident zur Wahl stellen möchte. Bisher gilt der Schweizer als aussichtsreichster Kandidat für eine Wiederwahl.