Hohe Kosten für die Fußball-WM 2026 in Nordamerika
Hohe Ticketpreise, exorbitante Weiterverkaufsgebühren und teure Reisekosten: Fans, die die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada verfolgen möchten, müssen tief in die Tasche greifen. Hier ein Überblick über die aktuellen Kosten.
Die Preise für WM-Tickets sind selbst für Donald Trump zu hoch. Der US-Präsident äußerte sich überrascht darüber, dass Fans für das erste WM-Spiel der USA mehr als 1.000 Dollar (850 Euro) zahlen müssen. „Diese Zahl war mir nicht bekannt“, sagte Trump in einem Interview mit der New York Post und fügte hinzu: „Ich wäre sicherlich gern dabei, aber um ehrlich zu sein: Ich würde diesen Preis auch nicht zahlen.“ Die Ticketpreise für das Turnier setzen neue Rekorde und entzweien die FIFA zunehmend von den Fans – trotz der Aussicht auf finanziellen Erfolg.
Ein Monat vor dem Turnierbeginn sind noch Tickets für mehrere Spiele verfügbar, darunter das erste Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao am 14. Juni in Houston. Für 1.300 Dollar (1.100 Euro) können Zuschauer dabei sein, wenn die DFB-Elf auf den 82. der Weltrangliste trifft. Frühere Käufer konnten ihre Tickets zu günstigeren Preisen erwerben, dennoch hat keine WM in der Geschichte die Fans so stark zur Kasse gebeten wie diese. Die Fanorganisation Football Supporters Europe (FSE) bezeichnet die Preise als „Mondpreise“ und hat sogar Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht. Das 18-seitige Dokument liegt unserer Redaktion vor und kritisiert die intransparente Ticketvergabe und die unverhältnismäßigen Preise.
Ein zentrales Anliegen der FSE ist das sogenannte „Dynamic Pricing“, bei dem sich die Ticketpreise je nach Nachfrage ändern. „Das treibt die Preise in die Höhe“, erklärt Stuart Dykes von der FSE. Die EU-Kommission müsse nun prüfen, ob dies gegen EU-Recht verstößt, da die FIFA ein Monopol habe. Die tatsächliche Nachfrage bleibt unklar. „Die FIFA ist da sehr intransparent“, sagt Dykes. Es wird vermutet, dass KI-gesteuerte Bots die Nachfrage künstlich ankurbeln. „Wir wissen, dass Bots verstärkt im Einsatz sind. Es gibt Unternehmen, die sie nutzen, um möglichst viele Karten zu kaufen.“ Dies hat zur Folge, dass viele Fans Tickets erwerben, ohne genau zu wissen, wo ihre Plätze im Stadion sind. Die FSE erhält zunehmend Beschwerden zu diesem Thema.
Es gab zwar auch günstigere Tickets, etwa die billigsten für 60 Dollar (51 Euro), jedoch ist deren Verfügbarkeit stark limitiert. Laut DFB gab es für das Spiel gegen Curaçao lediglich 581 Stück, ähnlich ist die Anzahl bei den weiteren Gruppenspielen gegen die Elfenbeinküste (395) und Ecuador (632). Wie viele Tickets in der günstigsten Kategorie für andere Spiele angeboten wurden, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage an die FIFA blieb unbeantwortet. Laut FSE gibt es auch bei anderen Partien nur wenige 60-Dollar-Tickets, die wohl lediglich als Lockangebot dienen.
Die FIFA scheint den Profit zur höchsten Priorität erhoben zu haben, was auch bei den Tickets für Menschen mit Behinderungen deutlich wird. „Bisher war es bei allen Turnieren so, dass Rollstuhlfahrer ein Ticket in der günstigsten Preiskategorie kaufen und mit einer Begleitperson das Spiel sehen konnten“, sagt Dykes. „Jetzt muss die Begleitperson ein separates, überteuertes Ticket kaufen, und die FIFA kann nicht einmal garantieren, dass die Begleitperson neben dem Rollstuhlfahrer sitzt.“ Auch auf diese Anfrage gab die FIFA keine Antwort.
Wie bei anderen Turnieren gibt es auch 2026 einen offiziellen Zweitmarkt für Tickets, um zu verhindern, dass unseriöse Anbieter mit überteuerten Tickets Profit machen. Doch ist die FIFA in dieser Rolle tatsächlich seriös? Pro verkauftem Ticket fällt eine Bearbeitungsgebühr von 15 Prozent sowohl für Käufer als auch für Verkäufer an. Bei Tickets im vierstelligen Bereich wandern so teilweise mehrere hundert Euro pro verkauftem Ticket in die Kassen des Weltverbands. Das teuerste Ticket auf der Plattform wurde zwischenzeitlich für zwei Millionen Euro angeboten. Dies trägt zur Steigerung der Einnahmen der FIFA bei. Laut FSE wird der Bereich Ticket & Hospitality in diesem Jahr voraussichtlich rund 34 Prozent der Einnahmen ausmachen, während der Durchschnitt normalerweise bei 21 bis 22 Prozent liegt. „Das zeigt, dass es eine bewusste Strategie war, die Preise zu erhöhen.“
Jörn Schönberger von der TU Dresden hat sich intensiv mit der Preisentwicklung beschäftigt. „Ob die Preise zu hoch sind oder nicht, kann ich nicht sagen“, erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die FIFA agiert hier nicht anders als ein Unternehmen und hat kalkuliert, zu welchen Preisen sie die Tickets verkaufen kann. Wenn die Stadien voll sind, ist der Plan aufgegangen.“ Schönberger geht davon aus, dass genug Menschen zu den Spielen ins Stadion gehen werden.
Die Wiederverkaufsgebühr erscheint ihm aus ökonomischer Sicht nachvollziehbar. „Die FIFA weiß, für welche horrenden Summen WM-Tickets gehandelt werden. Daher ist es logisch, dass sie das für sich nutzen möchte.“ Es gibt genügend Fans weltweit, die bereit sind, den Preis zu zahlen. „Der deutsche Standardfan, der seinen Verein in der Bundesliga unterstützt, wird vermutlich nicht zur WM fahren“, sagt Schönberger. „Aber das ist nicht der Markt, den die FIFA anspricht. Die FIFA interessiert sich nicht für den Standardfan oder die breite Masse, sondern möchte die maximale Zahlungsbereitschaft der zahlungskräftigen Fans abschöpfen.“
Darüber hinaus müssen Fans, die die Spiele vor Ort verfolgen möchten, nicht nur für das Ticket zahlen. Schon die Flugkosten sind vierstellig. Das erste WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft findet in Houston, Texas, statt. Ein Lufthansa-Direktflug von München nach Houston am Tag vor dem Spiel kostet 1.447 Euro. Man kann sparen, indem man umsteigt, beispielsweise erst nach Charlotte, North Carolina, und dann weiter nach Houston für 754 Euro – jeweils nur für den Hinflug. Am günstigsten ist derzeit die Route Düsseldorf - Portugal - Kanada - Houston für 518 Euro, allerdings mit einer Reisezeit von 50 Stunden. Mit Rückflug muss man insgesamt konservativ geschätzt 1.500 bis 2.000 Euro einplanen. Ähnliche Preise gelten für die beiden anderen Austragungsorte der DFB-Elf, Toronto und New York.
Hier hat die FIFA allerdings wenig Einfluss. Solche Langstreckenflüge sind auch außerhalb von Fußballweltmeisterschaften teuer, insbesondere im Sommer. Branchenkenner berichten, dass die Flugpreise in den USA seit der erneuten Präsidentschaft von Donald Trump sogar leicht gesunken sind, im Gegensatz zu Kanada. Schönberger spürt die Auswirkungen der WM auch persönlich: „Ich wäre auf einer Konferenz in Toronto während der WM. Aber Flüge und Unterkünfte sind unverschämt teuer, deshalb bleibe ich daheim.“
Kaum weniger ins Gewicht fallen die Unterkunftskosten. Schon kurz nach der Auslosung stiegen die Hotelpreise um mehrere hundert Prozent, nicht nur in den USA, sondern auch in den Co-Gastgeberländern Kanada und Mexiko. Wenn man es dennoch schafft, eine bezahlbare Unterkunft zu finden, muss man auch noch zum Stadion gelangen, was ebenfalls mit hohen Kosten verbunden ist. In Boston beispielsweise werden für die Anreise von den Fans hohe Gebühren erhoben.