Jürgen Klopp als neuer Bundestrainer vorgestellt
Der Fußballchef von Red Bull wird am Freitag im DFB-Campus als neuer Bundestrainer vorgestellt. Fast alle Hürden sind bereits überwunden, doch sein Berater hat die Berichte über eine Einigung dementiert.
Update vom 19. Juli, 17:04 Uhr: Jürgen Klopps Berater, Marc Kosicke, hat auf Anfrage des SID die Meldungen über eine angebliche Einigung zwischen Klopps bisherigem Arbeitgeber Red Bull und dem DFB zurückgewiesen. Die Verhandlungen sind demnach noch nicht abgeschlossen und sollen nach dem WM-Finale am kommenden Sonntag fortgesetzt werden.
Erstmeldung vom 19. Juli, 16:06 Uhr: Der Deutsche Fußball-Bund und Jürgen Klopp waren sich praktisch schon einig. Es fehlte lediglich die Zustimmung von Red Bull, damit der „Head of Global Soccer“ vorzeitig aus seinem bis 2029 laufenden Vertrag entlassen wird, um die Position des Bundestrainers zu übernehmen, ohne dass der DFB dafür hohe Ablösesummen zahlen muss. Laut Informationen von Absolut Fussball und der Frankfurter Rundschau ist dies nahezu gelungen.
Ein weiterer wichtiger Punkt wurde erreicht, da Red Bull sich in den Verhandlungen kooperativ zeigte. Es besteht Einigkeit darüber, dass ein Bundestrainer Klopp keinerlei vertragliche Verpflichtungen mehr gegenüber dem Weltkonzern haben wird. Dies ist zwar schmerzhaft für Red Bull, jedoch vorteilhaft für den deutschen Fußball in dieser sensiblen Situation. Eine solche Vereinbarung würde, so glaubt man, wie ein Damoklesschwert über Klopp, dem DFB und Red Bull hängen. Kritische Fanszenen und der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger hatten sich bereits zu diesem Thema geäußert.
Red Bull hat verstanden, dass es vorteilhaft für ihr Image ist, sich in dieser national bedeutenden Angelegenheit nicht querzustellen. Für ein Unternehmen, das jährlich zwei Milliarden Euro verdient, sind ein paar Millionen schon kaum ins Gewicht fallend. Lieber ein weiteres Länderspiel in Leipzig, am deutschen Standort von Red Bull.
Aufmerksame TV-Zuschauer bemerkten während der Übertragung von Magenta-TV aus den USA, dass Jürgen Klopp nicht zu sehen war. Während Experten wie Mats Hummels und Tabea Kemme auftraten, hielt sich Klopp zurück. Dies lag daran, dass der Mann, der den deutschen Fußball retten soll, versuchte, sich einige Tage rar zu machen. Dies gelang nicht ganz, da er sich gezwungen sah, über seinen Instagram-Kanal aus seinem Arbeitszimmer in Wiesbaden klarzustellen, dass er nach dem verlorenen Halbfinale keine öffentliche Kritik an dem englischen Nationaltrainer Thomas Tuchel geübt hatte. Die in sozialen Medien kursierenden Zitate seien schlichtweg Fake News.
Insgesamt hat der Kurztrip nach Deutschland jedoch funktioniert. Klopp konnte weitgehend unbemerkt einige Erledigungen machen, seine Enkelkinder treffen und dann zurück nach New York reisen, wo der 59-Jährige am Sonntagabend erneut als TV-Experte auftreten wird und auch in die Rolle des designierten Bundestrainers schlüpfen könnte. Die geplante Vorstellung findet am Freitag im Frankfurter DFB-Campus statt. Der Verband muss entscheiden, ob der Presseraum dafür ausreichend ist. Glücklicherweise gibt es noch die Futsalhalle am anderen Ende des 300 Meter langen Flurs, die Platz für mehr Journalisten bietet.
Wenn Klopps vierjährige Amtszeit als Bundestrainer ebenso erfolgreich verläuft wie seine Zeit bei Magenta, wo man sich über WM-Rekordquoten freuen konnte, wäre das bereits ein großer Erfolg für den DFB. Die Verhandlungen fanden jedenfalls in einer respektvollen Atmosphäre statt. Trotz aller Kritik am Millionengehalt ist klar, dass dies für Normalverdiener eine enorme Summe darstellt, was auch für die Gehälter vieler deutscher Nationalspieler in ihren Vereinen gilt.
Im Fall Klopp ist jedoch sicher: Er verzichtet freiwillig auf mehrere Millionen Euro im Vergleich zu seinem aktuellen Job bei Red Bull und seiner vorherigen Tätigkeit beim FC Liverpool. Zudem hat Klopp nicht vor, es sich in seinem Eigenheim in Wiesbaden gemütlich zu machen. Vielmehr möchte er regelmäßig nach Frankfurt fahren, um die Mitarbeiter mit seiner Leidenschaft und Fähigkeit, andere zu inspirieren, zu begeistern.
Die Erwartungen sind hoch. Mats Hummels, der unter Klopp große Erfolge bei Borussia Dortmund feierte, äußert sich überzeugt: „Er wird dafür sorgen, dass diese Mannschaft wieder funktioniert, davon bin ich felsenfest überzeugt.“ BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer geht sogar noch weiter: „Ich glaube, er verkörpert sehr viel von dem, was dem Fußball, aber auch unserem Land fehlt. Mit ihm könnte ein positiver Ruck entstehen, der vielleicht sogar über den Sport hinausgeht.“
Wahrscheinlich wird Klopp eines Tages Bundeskanzler und Bundespräsident in Personalunion.