Markus Krösche gesteht Fehler in turbulenter Saison der Eintracht
Markus Krösche, der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, hat öffentlich Fehler in einer herausfordernden Saison eingeräumt. "In den letzten drei Monaten habe ich kaum geschlafen", gestand Krösche.
Der 45-Jährige, der bereits zweimal als Bundesligamanager des Jahres ausgezeichnet wurde, führte Eintracht Frankfurt zu großen Erfolgen, darunter der Europa-League-Sieg 2022, die Teilnahme an der Champions League, ein Pokalfinale und der dritte Platz in der Bundesliga. Doch nun blickt der Verein auf eine schwierige Saison zurück, in der Platz acht das geringste Übel darstellt. Krösche nimmt die Verantwortung dafür auf sich.
Ohne Ausflüchte und Abstriche erklärt er: "Wir haben keines unserer Ziele erreicht. Das ist meine Verantwortung; ich habe einige Entscheidungen getroffen, die nicht wie gewünscht funktioniert haben." Diese Entscheidungen betreffen sowohl den Kader als auch die Trainerbesetzung, insbesondere die Nachfolge des entlassenen Dino Toppmöller. Krösche betont, dass er menschlich nicht falsch lag mit Albert Riera, dem neuen Trainer, den er als starken Leader mit klarer Meinung verpflichtete. Dennoch räumt er ein, dass er gegen seine eigenen Prinzipien verstoßen hat, die besagen, keinen Trainer ohne Ligaerfahrung zu verpflichten.
Auf die Frage, warum er dennoch so handelte, antwortet er: "Mein Gefühl und meine Überzeugung haben mich dazu verleitet, das Prinzip der Vorsicht zu missachten." Trotz der schwierigen Umstände trat er nicht gegen Riera nach und übernahm die Verantwortung für dessen missratene Amtszeit. "Ich habe ihn in eine Situation gebracht, in der er kaum Erfolg haben konnte. Die Wahl des Spaniers war meine falsche Entscheidung, meine Fehleinschätzung," so Krösche.
Seine Ausführungen waren eine ehrliche Selbstkritik, die von Größe zeugt. Wer Riera nachfolgen wird, steht noch nicht fest; Krösche kündigte an, dass eine Lösung zeitnah gefunden werden soll. Gespräche mit Adi Hütter, der einer Rückkehr offen gegenübersteht, sind im Gange. Ein Exot wie Riera wird es jedoch nicht werden.
Die Probleme des Vereins in dieser Saison belasten Krösche stark. Vor einer Woche entschuldigte er sich auf einer Versammlung vor mehr als 500 Mitarbeitern für seine Fehlentscheidungen. Eintracht-Boss Axel Hellmann forderte in einer leidenschaftlichen Ansprache eine neue Einstellung von der Belegschaft.
Intern wird die Analyse des Ist-Zustands offen und ehrlich angegangen. Die Schwierigkeiten haben Krösche stark zu schaffen gemacht. "In den letzten drei Monaten habe ich nicht viel geschlafen", gibt er zu. "Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, die Situation hat mich nicht berührt." Er ist perfektionistisch und erkennt, dass er in den letzten Jahren mehr gute als schlechte Entscheidungen getroffen hat, was sich in dieser Saison jedoch geändert hat.
Trotz der Herausforderungen denkt Krösche nicht daran, aufzugeben. "Ich werde daraus lernen, lasse mich aber nicht beirren oder mache eine 180-Grad-Wende." Auch über den Umgang mit der Mannschaft hat er nachgedacht, da diese während der Saison auseinanderfiel. "Die Champions League verändert die Wahrnehmung jedes Einzelnen, und wenn es nicht läuft, fühlt sich der eine oder andere wichtiger als das Team", hat er erkannt. "Das ist menschlich, aber schädlich für die Gruppe. Ich habe nicht genügend Führung übernommen," gesteht er.
Krösche sieht sich zudem mit der Herausforderung konfrontiert, dass sein Stab ihn teilweise im Stich gelassen hat. Dies ist ein Grund, warum intern alles auf den Prüfstand kommt, auch der Sportdirektor Timmo Hardung. Auch das Teammanagement, die Analysten, die Spitze der Athletikabteilung und der Mentalcoach werden kritisch überprüft. Die laxen Arbeitsmethoden und das Delegationsverhalten werden als problematisch angesehen.
Ein weiteres Problem ist die ständige Weitergabe interner Informationen, auch aus der Kabine. "Es ist keine gute Geschichte, wenn etwas aus dem Inner Circle nach außen dringt", sagt Krösche und fügt hinzu: "Das minimiert die Chancen auf Erfolg." Sein Fazit: "Das ist ein ganz wichtiges Thema, das müssen wir abstellen."