Niko Kovač kehrt mit BVB zum FC Bayern zurück
Niko Kovač wird am Samstag einen besonderen Moment erleben, wenn der BVB um 18:30 Uhr in der Allianz-Arena gegen den FC Bayern antritt. Dies ist sein zweiter Besuch als Trainer von Borussia Dortmund bei seinem ehemaligen Arbeitgeber. Das Spiel markiert den Auftakt zu einem entscheidenden Herbst, der zeigen wird, wie wettbewerbsfähig der BVB tatsächlich ist. Für Kovač ist es zudem eine Rückkehr in die Vergangenheit.
In seiner ersten Saison bei Bayern München holte er das Double, doch seine zweite Spielzeit endete abrupt im November 2019 nach einer Niederlage gegen Eintracht Frankfurt. Unter seinem Nachfolger Hansi Flick errang der Rekordmeister das Sextuple. Trotz eines beeindruckenden Punkteschnitts von 2,26 und des gewonnenen Doubles wurde Kovač bei Bayern als gescheitert angesehen. Die Lehren aus seiner Zeit in München kommen ihm jedoch nun dem BVB zugute.
Seit Kovač im Februar 2025 das Traineramt in Dortmund übernommen hat, hat sich das Team stark verbessert. Aus einem verunsicherten Tabellen-Elften ist ein stabiles Team geworden, das Bayern am Samstag als ernstzunehmender Herausforderer gegenübertritt. Seit Mitte März hat Kovač nur zwei Spiele verloren – gegen den FC Barcelona und Real Madrid.
Er hat eine ausgewogene Mischung aus Disziplin und Lockerheit gefunden und weiß, wie er seine Spieler sowohl fördern als auch fordern kann. Wegbegleiter wie Fredi Bobic und die BVB-Verantwortlichen um Lars Ricken erkennen eine positive Entwicklung des 53-jährigen Trainers. Viele Beobachter sind sich einig, dass Kovačs Misserfolg in München vor allem darauf zurückzuführen war, dass er „die Kabine verlor“.
Ein entscheidender Punkt war der Umgang mit Thomas Müller. Kovač hatte das bayerische Urgestein im Herbst 2019 öffentlich zum „Notnagel“ degradiert, was als schwerwiegender kommunikativer Fehler gilt. Dies führte dazu, dass Kovač unwiderruflich Autorität in der mächtigsten Kabine Deutschlands verlor.
„Ich habe mich da einfach vertan“, gestand Kovač im Rückblick bei Sky. „Das war ein Fehler. Aus heutiger Sicht hätte Thomas damals viel mehr spielen müssen.“ Sein Umgang mit Müller führte dazu, dass er den Rückhalt wichtiger Spieler in der Kabine verlor und die Bayern-Bosse an seiner Fähigkeit zweifeln ließen, die komplexen Hierarchien eines Weltvereins zu navigieren.
Kovačs Wechsel nach München war ein kalkuliertes Risiko. „Ich hätte mich jeden Tag meines Lebens geärgert, wenn ich diese Chance nicht wahrgenommen hätte“, erklärte er in einem Interview mit der FAZ. Er verglich den Schritt mit einem Strafstoß: „Man kann verschießen – man kann aber auch zum Hero werden.“
Die Ausstiegsklausel für Champions-League-Vereine, die er 2016 bei Eintracht Frankfurt in seinen Vertrag einbaute, war kein Zufall. „Wenn ich diese Klausel reinsetze, gehe ich davon aus, dass das auch mal passieren wird“, sagte Kovač. Er arbeitete systematisch auf diesen Moment hin und erlebte in 490 Tagen die Höhen und Tiefen des Fußballs.
Nach seinen Stationen bei AS Monaco und VfL Wolfsburg wurde der Kroate in der zweiten Saison entlassen. Eine Wiederholung dieser Situation in Dortmund erscheint jedoch unwahrscheinlich, da der BVB Kovač erst im August einen Vertrag bis 2027 angeboten hat. Kovač hat aus seinen negativen Erfahrungen die richtigen Schlüsse gezogen.
Ein wesentlicher Unterschied liegt auch im Umfeld. Während er in München gegen mächtige Egos ankämpfen musste, traf er in Dortmund auf hungrige Spieler, die nach Anleitung suchten. Karim Adeyemi beschrieb es legendär: Kovač habe dem BVB kollektiv „in den Arsch getreten“, um die Wende einzuleiten.
Der Trainer ist persönlich gereift und nicht mehr so verbissen. Er führt die Mannschaft mit einer klaren Hand, unter der er sie gleichzeitig beschützt. Kovač steht für die harte Arbeit, die im Ruhrgebiet geschätzt wird – ohne dass der BVB unter ihm ausschließlich über harte Arbeit definiert wird.