Ole Werner: Der neue Trainer von RB Leipzig und seine Vision
Leipzig – Im Zuge des umfassenden Umbruchs bei RB Leipzig wurde auch ein neuer Trainer gesucht. Der Verein wollte sich zunächst nicht auf eine Interimslösung einlassen, doch nach enttäuschenden Leistungen wurde Marco Rose Ende März entlassen. Zsolt Löw übernahm vorübergehend, konnte jedoch keine Wende herbeiführen, und die Qualifikation für internationale Wettbewerbe blieb aus. Jetzt steht Ole Werner an der Seitenlinie der Sachsen – ein Name, der viele überrascht hat und teilweise enttäuschte, da in Leipzig zuvor mit größeren Namen spekuliert wurde. Dennoch ist der 37-Jährige der richtige Mann für die Ziele des Klubs.
Die DNA von RB Leipzig zeichnet sich vor allem durch die Entwicklung junger, talentierter und hungriger Spieler aus, um ihnen den Weg auf die große Fußballbühne zu ebnen. In den letzten Jahren hat der Klub jedoch nicht immer im Einklang mit seinen Werten gehandelt, und auch spielerisch blieb man hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Das klare Ziel für diesen Sommer lautete: „Back to the roots.“ Dies bestätigte auch Sportchef Marcel Schäfer am Sonntag im „Doppelpass“. Ob dieser Ansatz letztlich zum Gewinn des Bundesligatitels führt, konnte auch der 41-Jährige nicht eindeutig beantworten, ist jedoch überzeugt: „Ich glaube, dass man immer am besten ist, wenn man authentisch ist.“
Ein Teil dieser Authentizität bringt Ole Werner mit. Er ist weder Weltmeister noch ehemaliger Barça-Star wie Cesc Fabregas und hat auch nicht die internationale Erfahrung eines Oliver Glasner. Doch wie Schäfer betont: „Er hat in Kiel hervorragende Arbeit geleistet, die Mannschaft und die Spieler weiterentwickelt. In Bremen hat er das ebenso getan.“ Schäfer hebt hervor, dass Werner beide Teams überperformen ließ, was genau dem Ziel von RB Leipzig entspricht – einen Trainer zu finden, der im Umgang mit Talenten versiert ist. „Wir haben in den Gesprächen mit ihm festgestellt, dass wir in vielen Punkten übereinstimmen und dass er sich mit unserem Klub und unserer Aufgabe identifizieren kann – mit dem Weg, den wir beschreiten, um junge Spieler zu fördern. Obwohl er noch keine 40 Jahre alt ist, hat er bereits umfangreiche Erfahrung als Trainer gesammelt.“
Sport1-Experte Stefan Effenberg war anfangs überrascht von Werners Ernennung zum Cheftrainer der ambitionierten Leipziger, sieht die Entscheidung jedoch im Nachhinein als vollkommen nachvollziehbar an: „Er hat Werder Bremen weiterentwickelt. Im ersten Jahr erzielte er 36 Punkte, steigerte sich auf 44 und dann auf über 50 Punkte. Man hat eine kontinuierliche Entwicklung bei ihm und seinem Team gesehen – durchweg positiv.“
Effenberg fügt hinzu: „Obwohl es nie für das internationale Geschäft gereicht hat, zeigt die Entwicklung – und das ist auch eure Philosophie –, dass junge Spieler gefördert werden. Daher macht Ole Werner unterm Strich absolut Sinn. Er hat mit vielen jungen Spielern gearbeitet und wird diese nun bei RB auf einem anderen Level und mit einer anderen Qualität weiterentwickeln. Der Druck ist höher, da er mit seinem Team ins internationale Geschäft muss, aber ich halte diese Entscheidung für hervorragend.“ Nicht zu vergessen ist, dass Ole Werner Werder Bremen in der vergangenen Saison auf den achten Platz führte und dabei die gleiche Punktzahl wie RB Leipzig erreichte. Nur das Torverhältnis trennte Werder vom siebten Platz, der besten Platzierung seit der Saison 2009/10, als man unter Thomas Schaaf Dritter wurde. Auch bei RB ist bereits eine Entwicklung erkennbar, jedoch fehlte es häufig an Konstanz. Nun hat der 37-Jährige die Chance, sich in dieser Hinsicht zu beweisen. Das große Ziel steht ohnehin fest: die Rückkehr in die Champions League.